Der Fischbrunnen

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„Treffen wir uns am Fischbrunnen?“ Wie oft habe ich diesen Satz schon zu meinen Freunden gesagt oder von ihnen gehört – der Fischbrunnen am Münchner Marienplatz ist doch einer der beliebtesten Treffpunkte der Stadt.

Steht man davor und wartet, achtet man meist gar nicht auf seine ungewöhnlichen Figuren: Sie tragen eigenartige Gewänder, versehen mit Stücken von Tierfellen oder -häuten. Was hat es damit auf sich?

Der Marienplatz – der Marktplatz der Stadt

Der Fischbrunnen wurde im Jahr 1318 errichtet. Zu der Zeit befand sich der Markt der Stadt direkt am Marienplatz, weshalb er vor der Errichtung der Mariensäule 1638 auch schlicht „Marktplatz“ hieß. Um den Fischbrunnen herum – daher hat er seinen Namen – standen die Fischweiber und wuschen ihre Ware und hielten sie im Wasser kühl. Wer das Steinbecken des Fischbrunnens von außen genauer betrachtet, sieht Marktszenen in ihn eingearbeitet.

Der Metzgersprung am Fischbrunnen

An einem besonderen Tag des Jahres mussten die Fischverkäufer an ihrem Brunnen Platz für ein bestimmtes Ereignis einräumen: Den Metzgerspung. In der Nähe des Markplatzes befanden sich schon damals die Metzgereien. Bestand ein Metzgergeselle seine Gesellenprüfung, behängte er sich mit Tierfellen und hüpfte umgeben von feiernden Münchnern in den Fischbrunnen. Quasi als Taufe zum ausgelernten Metzger. An diese Tradition erinnern die mit Fellen bekleideten Figuren.

Das Geldbeutelwaschen

Und ein weiterer Brauch lässt sich noch heute am Fischbrunnen praktizieren: Das Geldbeutelwaschen. Da Fischschuppen ähnlich wie Münzen glänzen, sollen die Geldstücke im Portemonnaie  vermehrt werden, wenn man ihn in das Wasser des Fischbrunnens taucht. Alljährlich am Aschermittwoch übt sogar der Bürgermeister diese Tradition aus.

Der kugelige Fisch wurde übrigens erst bei seiner Renovierung nach dem Zweiten Weltkrieg angebracht. Davor befanden sich drei Figuren in musizierender Pose am Brunnen, die die festliche Stimmung während des Metzgersprungs verdeutlichen sollten. Diese Figuren findet man heute am Stachus unterm Karlstor.

Ich blicke auf die Uhr und stelle fest, dass ich mich besser in die kühle U-Bahn in Richtung Universität begeben sollte. Aber davor tauche ich noch schnell meinen Geldbeutel in das Brunnennass – vielleicht ist an dem Aberglauben ja etwas dran!

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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