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Geheimnis am Rand des Murnauer Moos

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Südlich von Murnau bei Ramsach wacht die kleine Kirche St. Georg über das Moos. Sie gilt als die älteste Kirche rund um den Staffelsee und wird im Volksmund auch “s’Ähndl” genannt – von “Ahnin” oder “Ahne” – und birgt ein außergewöhnliches Kleinod, das seinesgleichen in Europa sucht: Seit Menschengedenken wird dort eine etwa sechzig Zentimeter hohe, aus Eisenblech geschmiedete Hand-Glocke aufbewahrt, wie sie von den iroschottischen Wandermönchen, die Bayern missionierten, geläutet wurden. Nachgewiesenermaßen stammt sie aus dem 8. Jahrhundert und ist damit wohl die älteste Glocke Deutschlands.

Eine Glocke als Schutz vor dunklen Mächten

Glocken riefen die Menschen nicht nur zum Gottesdienst, sondern galten auch als Schutz vor den dunklen Mächten. Die St. Georgs Kirche in Ramsach blickt über das geheimnisvolle Moor, in dem Moorgeister und andere Ungeheuer ihr Unwesen treiben. Der Heilige Georg ist nicht umsonst der Patron dieser Kirche, denn er behütet die Menschen vor den dämonischen Kräften, die zwischen den hohen Gräsern des Sumpfes zu lauern scheinen. Rechts vorne an der Innenwand der Kirche ist sein Bildnis zu sehen – und natürlich auf dem Altarbild. Die Fresken an der Decke der Kirche erzählen die Geschichte seines Martyriums.

Der Lindwurm von Murnau

Die Sage erzählt auch von einem Lindwurm, der ganz in der Nähe gehaust hat und sich durch einen großen Appetit auf Jungfrauen unbeliebt gemacht hatte. Am so genannten “Drachenstich” erlegte ein mutiger Murnauer das Ungeheuer – und fortan war Ruhe. So mehren sich in diesem idyllischen Flecken Erde die Anspielungen auf das Motiv der Bändigung der Mächte der Finsternis.

Der heilige Georg, Verteidiger gegen das Böse

Den heiligen Georg finden wir an vielen geomantisch bedeutsamen Orten wieder. Doch was hat es in Wirklichkeit mit diesem christlichen Symbol der Verteidigung gegen das Böse auf sich? Mit seiner Lanze durchbohrt St. Georg den Drachen: wenn der Drache ein Symbol für die Erdkräfte ist, dann ist Georg das Symbol für die Bindung dieser Kräfte an einen Ort. So steht die Pfählung des Ungeheuers weniger für die Vernichtung des Bösen, sondern für die Konzentration der Kräfte eines Ortes, um sie für den Menschen nutzbar zu machen. Wir befinden uns also an einem Drachenort, einem echten Kraftplatz, an dem wir uns mit der Kraft der Erde aufladen können. Ich gehe um die kleine Kirche herum, blicke über die weiß getünchte Mauer auf das endlose Moor.

Ein uralter Kultplatz

Der kleine Hügel, auf das Ramsacherkircherl steht, war wohl schon in Vorzeiten ein alter heidnischer Kultort. An der Stelle des Altars, so heißt es, soll einst ein Opferstein gestanden haben. Auch wenn wir nichts genaues wissen können, so können wir doch an diesem Ort deutlich spüren, wie hier die Erdkräfte aufsteigen. Rund um die Kirche herrscht eine eigenartig beschwingte Energie, die zum Verweilen einlädt. Tatsächlich fühle ich mich im Schatten der Kirche geborgen und der Blick streift über die Weiten des unwirtlichen Moores bis hin zu den hoch aufragenden Bergen.

Am Fuße der Kirche befindet sich übrigens unter ausladenden Kastanien eine Wirtschaft mit Biergarten – der ideale Ausgangs- und Endpunkt für Wanderungen in die geheimnisvolle Welt des Murnauer Mooses.

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