Der erste Mai und der Gehörnte Gott

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Der erste Mai ist ein schon für die ältesten Kulturen Europas wichtiger Tag. Insbesondere die Nacht auf den ersten Mai, die landläufig als Walpurgisnacht bezeichnet wird, galt als heilig. Umso erstaunlicher, denn es gibt anders als bei den astronomischen Festen wie Sommer- und Wintersonnenwende oder den Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst keine unmittelbare Entsprechung am Himmel. Dennoch finden wir diesen Termin bereits im Sonnenobservatorium von Goseck (Sachsen-Anhalt) markiert, also bereits vor 7000 Jahren. Es muss sich daher um ein Datum handeln, an dem die Menschen auf welche Weise auch immer etwas ganz Besonderes spüren konnten.

Freudenfeuer für den Gott des Lichtes

In der keltischen Tradition ist dieser Tag als Beltaine überliefert. Der Name wir abgeleitet von Belenus, dem Gott des Lichts,und tene, das für Feuer steht. Beltaine erinnert daher an die Freudenfeuer, die zu Ehren dieses Gottes entzündet wurden und in dessen Feuerschein der Fruchtbarkeit auf ausgelassene und ungezügelte Weise gehuldigt wurde. Männer und Frauen verbanden sich in ekstatischen Zuständen miteinander und zelebrierten so die Wiederkehr des Lebens in der Natur. Symbolisch verbindet sich der Gott des Lichts und der Wärme mit Mutter Erde, weckt sie endgültig auf und sorgt für Glück und Segen auf den Fluren. Indem die Menschen dies nachvollziehen, nehmen sie Anteil am großen Kreislauf aus Werden und Vergehen.

Nacht ohne Gesetze

Mit dem ersten Mai beginnt der Sommer nach alter Vorstellung. Das Licht hat nun die Finsternis besiegt. Doch in dieser Nacht findet erst der Übergang statt. Das Alte ist noch nicht vorbei, das Neue noch nicht angekommen. Daher gelten die gewöhnlichen Gesetze nicht. Das hat sich in den Bräuchen rund um die Freinacht erhalten, die allerdings heute zu mehr oder weniger intelligentem Schabernack verkommen sind.

Wenn die Hexen fliegen

Aus den Freudenfeuern entwickelte sich durch die Verteufelung aller heidnischen Praktiken durch das Christentum die Vorstellung vom Hexensabbat, an dem sich die Hexen auf einem ihnen heiligen Berg, zum Beispiel dem Brocken im Harz, treffen, um sich ihrem Herrn und Meister Luzifer hinzugeben.Daraus wurde die Walpurgisnacht – deren Namensgebern eigentlich die Heilige Walburga ist, die an diesem Tag heilig gesprochen wurde.

Auch München hatte übrigens seinen Hexentanzplatz, der allerdings kein Berg war, sondern eine Wiese in Pasing, die so genannte Spiegelwiese. Diese lag nördlich des Bahnhofs und ist mittlerweile völlig überbaut.

Geheime Symbolik des Maibaums

Noch heute entdecken wir aber diese alten Vorstellungen von Fruchtbarkeit und ungezügelter Lebenskraft der Natur im Symbol des Maibaums. Er entspricht dem phallischen Prinzip, das hoch aufgerichtet wird und mit seiner Spitze einen Kranz durchstößt. Der Tanz um den Maibaum – er ist nichts anderes als ein Überbleibsel der einstigen Kulte.

Pan – der Gehörnte Gott

In Gestalt der Gestalt des Teufels lebt der Gehörnte Gott der frühen Religionen weiter, dem Gefährten der Großen Göttin. Viele Kulturen kannten ihn, zum Beispiel als Gott Pan. Als solcher ist er noch heute in unseren Städten an vielen Stellen zu entdecken – mal schmückt er Brunnen, mal lugt er zwischen Bäumen hervor, mal grinst er uns von Häuserfassaden an.

 

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