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Die Löwen an der Feldherrnhalle

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Es wird warm in München. Auf den Stufen der Feldherrnhalle am Odeonsplatz wird es wieder voller, junge Leute setzen sich mit ihrem Eis oder Coffee-to-go nieder, plaudern, blicken auf die zur Renovierung verhüllte Theatinerkirche oder auf den Eingang des Hofgartens. Heute haben Straßenmusiker gar einen Flügel dorthin transportiert, auf dem ein sommerlich gekleideter Pianist fröhliche Töne in die Sommerluft schickt. Doch blicken die Sitzenden auch nach links und rechts, zu den beiden Steinlöwen, die wachsam an den Seiten der Feldherrnhalle stehen?

Der bayerische und der preußische Löwe

Die Feldherrnhalle wurde zwischen 1841 und 1844 im Auftrag von König Ludwig I errichtet. Der bayerischen Armee und ihren siegreichen Feldherren sollte damit ein Denkmal gesetzt werden. Das architektonische Vorbild ist die „Loggia die Lanzi“ in Florenz. Zusammen mit der Theatinerkirche im italienischen Spätbarock und dem berühmten Restaurant „Tambosi“ schafft die Feldherrnhalle das südländische, italienische Flair dieses Platzes. Sitzt man auf den sonnenwarmen Stufen und blickt nach links, erkennt man, dass jener Löwe sein Maul geschlossen hält. Ich drehe meinen Kopf nach rechts: Das Maul dieses Löwen steht leicht offen. Man erzählt sich augenzwinkernd, dass der Löwe mit geschlossenem Maul bayerischen Ursprungs sei, der rechte preußischen: Damit soll auf die Gesprächigkeit oder gar Geschwätzigkeit der Norddeutschen, im Gegensatz zum eher wortkargen Bayer, angespielt werden. Einer anderen Lesart nach, hält der zur Kirche hin gewandte Löwe lieber – Pardon! – das Maul, während der zur Obrigkeit in der Residenz hin gewandte Löwe selbiges durchaus aufreißt, ja sogar leicht die Zunge herausstreckt …

Der Löwe “Bubi” macht Karriere

Die Löwen kamen übrigens erst 1905 dazu, der Bildhauer Wilhelm von Rümann fertigte sie aus Marmor. Er soll sie nach einem in einem Wanderzirkus beheimateten Löwen namens Bubi geschaffen haben, allerdings ursprünglich für das Reiterstandbild des Prinzregenten am Nürnberger Hauptbahnhof. Kurzerhand stellte man die Gipsmodelle der in der Bayerischen Akademie der Künste in München entstandenen Löwenstatuen auch in der Feldherrnhalle auf die Treppenwangen auf. Schon Friedrich von Gärtner, der Architekt der Feldherrnhalle, hatte hier schließlich bereits Löwen vorgesehen. Dies kam offenbar so gut an, dass man Kopien der Nürnberger Löwen für München bei von Rühmann orderte. Im Dezember 2015 war es so weit: die Löwen aus Meraner Marmor wurden enthüllt. Von Rümann selbst starb fast drei Monate später. Während die Nürnberger Löwen in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gingen, überdauern die Münchner Löwen die Zeit.

Die Feldherrnhalle – ein Ort der Geschichte

Tatsächlich stehen die imposanten Löwen schützend an der Seite zweier wichtiger Figuren der bayerischen Militärgeschichte, die aus eingeschmolzenen Kanonen besiegter Heere gegossen wurden: Feldherr Graf Tilly, oberster Feldführer im Dreißigjährigen Krieg, und Fürst Wrede, bayerischer Generalfeldmarschall. “Vor ihm hob sich die Feldherrnhalle, eine Nachbildung der Florentiner Loggia dei Lanzi, errichtet den beiden größten bayerischen Feldherren, Tilly und Wrede, von denen der eine kein Bayer und der andere kein Feldherr war”, lästert Lion Feuchtwanger in seinem Roman “Erfolg” über die beiden. Auch der Hitlerputsch vom 9. November 1923, der an der Feldherrnhalle niedergeschlagen wurde, wird von Feuchtwanger im selben Roman thematisiert.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Feldherrnhalle deshalb ein gefeierter Ort der „Bewegung“, an dem jährlich Propaganda-Märsche abgehalten wurden. Vor einer daher errichteten Gedenktafel an der Ostseite der Feldherrnhalle, mussten die Leute, unter angedrohter Strafe, einen Hitlergruß verrichten. Wer sich dem unauffällig entziehen wollte, ging durch die Viscardigasse hinter der Feldherrnhalle, die daher „Drückerbergergasserl“ genannt wurde.

Ein junges Mädchen klettert an dem „preußischen“ Löwen herum, dirigiert ihren untenstehenden Freund, wie er sich für ein optimales Foto platzieren soll. Ich verlasse die Halle, die sich mehr und mehr mit Schattensuchenden füllt. Bevor ich die vier bronzenen Löwen vor der Residenz ansteure, blicke ich mich noch einmal um, und stelle mir vor, wie die steinernen Löwen schon hier standen, mit genau jenem Blick, an jenem 9. November 1923.

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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