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Der Rosengarten

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Selbst viele geborene Münchner kennen ihn nicht: den Rosengarten in der Nähe der Wittelsbacher Brücke. So viele warme Sommerstunden habe ich im berühmten (aber auch oft ebenso vollen) Englischen Garten verbracht, im gepflegten Hofgarten oder auch im üppigen Botanischen Garten am Nymphenburger Schloss. Aber den selbst bei den Einheimischen eher unbekannten Rosengarten betrete ich heute zum ersten Mal.

Ich drücke ein eisernes Tor auf und befinde mich plötzlich in einer anderen, stilleren Welt: Zu meiner Rechten weitet sich eine große Rasenfläche, übersät mit zarten weißen Blümchen. Nur wenige Leute haben ihre Handtücher darauf ausgebreitet. Davor befindet sich ein gar nicht so kleines Flussbett, in dem Kinder bunte Eimer füllen.

Ein verschwiegener Ort für Genießer

Durch eine von grünen Bögen gesäumte Allee gelange ich tiefer in den Garten, vorbei an in Bücher vertiefte Menschen auf crèmefarbenen schmiedeeisernen Stühlen. Manche lassen die für Ende Juni milde Sonne auf ihre nackten Beine scheinen, andere haben die Stühle unter großgewachsene Schattenspender gezogen.

Märchenhafte Rosen – in allen Farben und Düften

Der 4500 qm große Münchner Rosengarten wurde im Jahr 1955 angelegt, um zu testen, welche der 250 existierenden Rosenarten für einen Anbau in der Stadt geeignet sind. Als ich einen kleinen Seitenweg abbiege, sehe ich sie: Die Rosenbeete. In einem hellen Rosa, pinkgesprenkelt, frech orange, oder in einem unschuldigen Weiß. Und natürlich: In dunklem Rot. So prächtig stehen sie da, und ich denke an einen Satz Rilkes: „Einzelne Blumen in den langen Beeten standen auf und sagten: Rot, mit einer erschrockenen Stimme“.

Es duftet süß und schwer, so, als sendeten die Rosen mit aller Kraft ihre letzten wohlriechenden Schwaden aus, bevor die Sommersonne ihre Blätter welken lässt. Ich beuge mich hinunter und nehme den köstlichen Duft einer Rose mit dem klingenden Namen „Sommermärchen“ auf – eine der pinkgesprenkelten Exemplare. Märchenhaft wirkt dieser Park wahrlich.

Andere nennen sich „Bayerntraum“, „Isarperle“, eine goldene Blüte trägt den Namen „Candlelight“. Doch, wie sagte schon Shakespeare? „Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften“.

Geheimnisvolle Giftpflanzen

In einem abgegrenzten Bereich sind die einheimischen Giftpflanzen zu bestaunen. Kinder dürfen den Giftgarten nur mit ihren Eltern betreten, denn wer würde annehmen, dass das liebliche Maiglöckchen der Kategorie „sehr stark giftig“ angehört, ebenso die Engelstrompete?

Ich verlasse den Giftgarten und setze mich auf eine der bereitstehenden Holzbänke. Ich lausche den zappelnden Blättern über mir. In den Stamm des alten Baumes sind Buchstaben eingeritzt – bestimmt kennt er Geschichten von Liebenden, die sich hier unter seinen schweren Ästen getroffen haben. Auf der Bank, in meinem neuentdeckten Rosengarten, auf der ich nun die Stille auf mich wirken lasse.

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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