Das Löwenrelief an der Stadtsparkasse

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Das Löwenrelief an der Stadtsparkasse

Hier im Tal soll an einer der Häuserfassaden ein steinernes Relief eingearbeitet sein. Es soll symbolisch auf den Gründungsvater Münchens, Heinrich den Löwen, anspielen. Ich gehe an der Heilig-Geist-Kirche vorbei, komme dem Isartor immer näher. Doch kein Relief ist in Sicht. Ich mache kehrt, mein Blick wandert noch einmal über die Münchner Hauswände. Da, direkt hinter dem Alten Rathaus, an der Fassade der Stadtsparkasse, erspähe ich es: das unscheinbare, rätselhafte Löwenrelief …

Das Symbol des Löwen für den Gründungsvater Münchens

Ich betrachte die magere Kreatur, die sich zu vier Steinklumpen hinunter beugt. Was bedeuten sie? Vielleicht liegt der Schlüssel in der Geschichte des Welfenherzogs:

Heinrich der Löwe, geboren 1129, wurde schon im Alter von 13 Jahren zum Herzog von Sachsen gekürt, 14 Jahre später wurde er Herzog von Bayern. Er stammt von dem Geschlecht der Welfen ab, damals eines der reichsten und mächtigsten Adelsgeschlechter Deutschlands. „Welfen“ (woraus sich unser heutiges Wort „Welpen“ entwickelt hat), wurden zu der Zeit nicht nur die Jungen von Hunden genannt, sondern auch Löwenkinder. Auch der Namensähnlichkeit wegen wird der Herzog von Bayern „Heinrich der Löwe“ genannt. Natürlich spielen auch Attribute wie Stärke, Macht, Mut und Königlichkeit mit, die man dem Löwen als König der Tiere symbolisch nachsagt und die ein autoritärer Herrscher mit sich bringen sollte.

Heinrich haucht der Stadt Leben ein

Im Physiologos, einem frühchristlichen Buch über die Symbolik der Tiere, ist der Löwe als göttlicher Lebensspender dargestellt. Der Legende (und dem damaligen Wissensstand!) nach brachte die Löwin ihre Jungen, die „Welfen“, tot zur Welt. Nach drei Tagen, so heißt es, käme der männliche Löwe und hauchte den leblosen Welpen Leben ein. Diese Zeitspanne erinnerte an die Auferstehung Christi nach drei Tagen.

Der dünne, nahezu mähnenlose Löwe auf der Abbildung erweckt also seine Jungen mit seinem Atem zum Leben. Angelehnt an diese Vorstellung soll auch Heinrich der Löwe der Stadt München Leben eingehaucht haben: Als Namensvetter des Löwen und Innehalter seiner Attribute hat er die Stadt München, die vor seiner Amtszeit als karger Mönchshügel brach und „leblos“ dalag, erst mit dem Bau der Salzhandelsstraße zum Leben erweckt.

Links am Alten Rathaus prangt eine überlebensgroße Statue Heinrich des Löwen, die einzige in München. Ich spüre seinen Blick auf mir, als ich mich von dem für mich nun nicht mehr so unscheinbaren Relief abwende und durch das ehemalige Stadttor gehe, den Turm des Alten Rathaus …

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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