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Rätsel der Wiesnzeit: Die Münchner Brezn

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Die Münchner Brezn auf der Wiesn

Sie gehört für mich zum Münchner Oktoberfest wie der erste Schluck Bier aus dem noch kühlen Maßkrug, wie das Klirren der Krüge, wenn die Blaskapelle „Ein Prosit“ spielt und alle miteinander anstoßen; wie das Gefühl, wenn ich mir zum ersten Mal im Jahr meine Dirndlschürze binde: Die Riesenbreze auf der Wiesn. Sie ist viermal so groß wie die normalen Brezn. Und kommt es mir nur so vor, spielen die Klänge der bayerischen Blasmusik oder der saure Geschmack des Kartoffelsalats oder das knusprige (jetzt übrigens auch aus biologischer Haltung erhältliche) Hendl oder alles zusammen meinen Sinnen einen Streich? Aber ich denke mir jedes Jahr wieder: Nirgends schmeckt die Brezn so gut wie auf der Wiesn.

Ein Gebäck wie ein Gebet

Ein dicker Bauch, oft beim Backen aufgeplatzt mit knusprigem Rand und innen weichem Weiß, die dünneren Teile kunstvoll ineinander geschlungen, zwei Hohlräume bildend und auf dem Brezenbauch aufsitzend. So sieht die ideale Breze aus. Eine eigenartige und umständliche Form für ein Gebäck, wenn man es sich mal überlegt. Woher kommt das Aussehen der Breze?

Das Wort Breze kommt vom Lateinischen „brezitella“ und bedeutet so viel wie „verschränkte Arme“. Die Form der Breze ist inspiriert durch die verschränkte Arm- bzw. Handhaltung der Mönche beim Beten. Früher faltete man nicht nur die Hände zum Gebet, sondern man konnte auch die Arme vor der Brust verschränken. Eine solche Haltung finden wir zum Beispiel im Bild der Schutzmantelmadonna von Jan Pollack in der Frauenkirche abgebildet. Doch auch die vielerorts übliche Weise, die Finger der Hände ineinander zu verschränken, führt uns zum Urbild der Brezn.

Ich verschränke die Finger ineinander wie zum Gebet, dabei legen sich die Daumen übereinander. Meine Daumen und die Zeigefinger bilden die Form einer Breze (wenn auch für mich verkehrtherum zu sehen). Die Breze war nämlich ursprünglich eine christliche Fastenspeise. Die Mönche haben überlegt, welches Gebäck sie ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen in der Fastenzeit zu sich nehmen können. Ein Gebäck in der Form betender Hände? Das kann nicht sündhaft sein – also konnten die Mönche sich die Breze selbst in der Fastenzeit haufenweise zu Gemüte führen.

Der Münchner Brezenreiter

Wusstet ihr, dass in München die einzige Kirche, nicht nur in ganz München, nein, in ganz Deutschland und sogar der ganzen Welt steht, an deren Deckenfresko sich eine gemalte Breze befindet? In der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt sieht man in der Mitte der Decke ein weißes Pferd und eine Brezn. Diese Bild soll an den Münchner Brezenreiter erinnern.

Im 14. Jahrhundert war die Familie Wadler durch den Salzhandel zu viel Geld gekommen und wollte ihren Mitmenschen etwas Gutes tun. Sie beauftragten einen Reiter, jedes Jahr in der Nacht zum 1. Mai auf einem Schimmel durch München zu reiten und Brezen an die Bedürftigen zu verteilen. „Ihr jung und alte Leit, geht’s hin zum Heiligen Geist, wo’s die Wadler Brezen geit!“, rief er damals den Münchnern zu. 500 Jahre lang wurde der Brauch des Münchner Brezenreiters aufrecht erhalten. Bis eine allzu gierige Meute den Reiter eines Nachts zu Boden stürzte, verprügelte und der Brauch daraufhin zur Sicherheit des Wohltäters abgeschafft wurde.

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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