Die Isar ist mehr als ein Fluss. Seit Jahrhunderten gilt sie als Lebensader und Grenze, als Verkehrsweg und Naturgewalt. Ihre grüne Strömung nährte die Stadt, trug Menschen und Waren nach München – und nahm sich immer wieder, was ihr zu nahe kam. Kein Wunder, dass sich an ihren Ufern Geschichten von Wassergeistern, Irrlichtern und geheimnisvollen Lockrufen erhalten haben.
Unsere Tour beginnt in Thalkirchen, dessen Geschichte eng mit dem Wasser und der alten Wallfahrtskirche St. Maria verbunden ist. Hier folgen wir einer Sage über die Entstehung des Ortes und der Vorstellung, dass Flüsse unsichtbare Kraftlinien durch die Landschaft ziehen.
Im Gierlinger Park führen die Spuren in die Welt der Erdgeister. Was hat es mit dem Schnarchermanndl auf sich, das in den Hängen bei Großhesselohe sein Unwesen treiben soll? Und warum fürchteten sich nächtliche Wanderer vor Irrlichtern und nebelverhüllten Moorweiblein?
Vorbei am Asam-Schlössl und den fast verschwundenen Gleisen der Isartalbahn erreichen wir Maria Einsiedel und die Zentrallände. Von hier brachten Flößer Holz, Kalk, Bier und andere Waren in die Stadt. Ihre Arbeit war gefährlich, und so vertrauten sie nicht allein auf Erfahrung und Geschick. Gebete, Schutzzeichen und alte Bräuche sollten sie vor den Launen des Wassers bewahren.
An einem verwunschen wirkenden Brunnen hören wir vom Wisperl und Pfeiferl, zwei sonderbaren Gestalten, deren Geschichte dem Element Luft zugeordnet ist. Auf der Marienklausenbrücke öffnet sich anschließend die vielgestaltige Welt der Wasserwesen: Nixen und Nymphen, Najaden und Wassermänner. Auch der heilige Johannes Nepomuk spielt hier eine Rolle – als Beschützer der Brücken und all jener, die den Fluss überqueren müssen.
Unterhalb des Steilhangs liegt die Marienklause, verborgen zwischen Bäumen, Felsen und rauschendem Wasser. Die kleine Kapelle erinnert an die Gefahren von Hochwasser und Felsstürzen und an das Versprechen eines Mannes, der mehrfach dem Tod entkommen sein soll. In ihrer Nähe vernahmen die Flößer angeblich den seltsamen Ruf der Isarnixe. Wer ihm lauschte, konnte nicht wissen, ob er eine Warnung hörte – oder eine Verlockung, der besser niemand folgte.
Zum Abschluss führt der Weg noch einmal unmittelbar an die Isar. Dort erzählt eine weitere Sage von einem feurigen Reiter bei der Menterschwaige. So schließt sich der Kreis der vier Elemente: Erde, Luft, Wasser und Feuer begleiten diesen Spaziergang durch eine Landschaft, in der Natur, Geschichte und Mythos bis heute ineinanderfließen.



