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Der Schatzberg bei Dießen

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Südwestlich von Dießen, nahe dem alten St.Georg, dem Ursprung des heutigen Marktes mit dem monumentalen Marienmünster, erhebt sich der Schatzberg. Hier befand sich bis ins 17. Jahrhundert hinein die Burganlage des einst mächtigen Adelsgeschlechts der Dießener Grafen. Als Sconenburg war sie begann, die schöne Burg. Heute lässt sich die Größe der Anlage an den spärlichen Resten im Wald nur noch erahnen.

Der vergrabene Schatz

Schatzberg – der Name lädt die Vorstellungskraft förmlich ein, auch wenn er vermutlich von “Schanzberg” abgeleitet werden muss, wobei Schanze auf die Burg selbst hinweist, hinter Mauern man sich “verschanzte”. Doch die Sage kennt einen anderen Grund für diese Bezeichnung, und erzählt uns von einem wahrhaftigen Schatz, der hier vergraben liegen soll. Manche berichten, dass es die Dießener Grafen selbst gewesen sein sollen, die hier Gold und Silber vergruben, um es vor dem Ansturm der Ungarn zu retten. Doch das ist für den Mythos zu profan.

Die verwunschene Jungfrau

In grauer Vorzeit, so berichtet die Sage, lebten auf der Burg, umgeben von einem undurchdringlichen Wald, drei wunderschöne junge Frauen. Zwei von ihnen waren weiß wie Schnee, die dritte aber schwarz wie die Nacht. Als eines Tages ein Hirte auf dem Schatzberg nach einem verloren gegangenen Schäfchen suchte und sich verlief, gelangte er zufällig an die Burg. Doch wie erschrak er, als ihm als Erste die schwarze Jungfrau erschien. Er beruhigte sich erst, als sie ihn mit freundlicher Stimme anredete – und ihn um seine Hilfe bat. Denn sie sei nicht immer so schwarz wie die Nacht gewesen, sondern ebenso hell wie ihre Schwestern. Ein Fluch laste auf ihr, den er, der Hirte, nun lösen können. Er würde reich dafür belohnt werden. Der Hirte konnte der schönen Maid den Wunsch nicht abschlagen und versprach, um Mitternacht wieder auf der Burg zu erscheinen.

Nachts also kehrte der gute Mann auf die Burg zurück und traf die schwarze Jungfrau erneut. Diese stellte ihm die Aufgabe, die er zu bestehen hätte, um sie zu erlösen: “Gehe in den Keller der Burg, dort wirst du einen Truhe finden, voller Gold und Edelsteine. All dies kann dir gehören – wenn du dem Hüter der Truhe, einen schwarzen Hund, der auf ihrem Deckel sitzt – den goldenen Schlüssel aus dem Maul nimmst. Du brauchst keine Angst haben, denn es geht keine Gefahr von diesem Untier aus, es ist alles nur Blendwerk. Gelingt es dir, werde ich erlöst sein – und der ganze Schatz gehört dir.”

Der Hirte fasste sich ein Herz und stieg in das finstere Gewölbe hinab. Doch als er an die Truhe kam, saß dort nicht irgendein Hund, sondern ein entsetzliches Ungeheuer von Hund mit feurigen Augen, so groß wie Mühlräder, und aus seinem pechschwarzen Fell stoben glühende Funken. Als dieser den Eindringling erblickte, knurrte er, dass es klang wie Donnergrollen. Da packte den Hirten die Panik und nahm die Beine in die Hand, machte kehrt und lief davon. Die schwarze Jungfrau, die am Eingang des Kellers auf ihn gewartet hatte, stieß er zur Seite und stürzte den Berg hinab, ihre flehentlichen Rufe, doch keine Angst zu haben, missachtend.

Da ergriff Zorn das Herz der schwarzen Jungfrau über die Feigheit der Menschen und sie verfluchte die Burg und den Ort am Fuße des Berges. Die Burg zerbrach daraufhin krachend – und eine gewaltige Flut überschwemmte das Land und riss Menschen und Tiere mit sich. Übrig blieb ein See – der heutige Ammersee.

Der Schatz selbst soll sich immer noch im Berg befinden, doch bislang ist es niemandem gelungen, ihn zu heben …

Drei heilige Frauen

Immer wieder tauchen im bayrischen Voralpenland und darüberhinaus drei geheimnisvolle Jungfrauen auf, die oft sehr ähnlich wie die vom Dießener Schatzberg beschrieben werden. Berühmt sind die drei Bethen von Leutstetten am Starnberger See, aber andernorts wird von ihnen berichtet, zum Beispiel in Südtirol. Handelt es sich um die Erinnerung an eine dreifältige Muttergöttin, wie sie von den Kelten und ihren Vorfahren in dieser Gegend verehrt wurde? Der Name Dießen könnte ein weiterer Fingerzeig sein, denn manche vermuten im Namen dieser Stadt die “Disen” oder “Dissen”, ein altes germanisches Wort für zauberkundige Frauen.

Quellenkulte

Quellen spielen beim Kult um die drei Frauen immer wieder eine tragende Rolle, und so nimmt es nicht Wunder, dass auch der Schatzberg eine solche heilige Quelle hat: die Mechthildisquelle am nördlichen Fuße des Berges. Sie soll Heilkräfte besitzen und vor allen Dingen Augenleiden heilen – also “sehend” machen, was möglicherweise nichts anderes ist als eine Umschreibung für die prophetische Gabe, die dieses Wasser verleiht. Dann erinnern die drei Frauen an die drei Nornen der nordischen Mythologie, die am Urdbrunnen sitzen und das Schicksal der Menschen und Götter bestimmen.

Der Schatzberg ist ein magischer, ein mystischer Ort. Es gibt noch weit mehr auf ihm und um ihn herum zu entdecken – davon später mehr. Ein Spaziergang, vor allen Dingen im Zwielicht des Morgens oder des Abends, lässt uns hinein gleiten in eine andere Welt …

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Christopher Weidner

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