16 // Engel des Abschieds

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(16) Der ENGEL DES ABSCHIEDS auf dem Alten Nördlichen Friedhof

Bevor etwas Neues in unser Leben kommen kann, heißt es oft erst einmal Abschiednehmen vom Alten. Bevor das Licht wiedergeboren werden kann, durchmessen wir nicht selten noch einmal die dunkelsten Gegenden unserer Seele. Abschied nehmen heißt Loslassen, damit etwas Neues Raum einnehmen kann. In unserem parallel zu dem Adventskalender laufenden „Dunkelnächten“ hier auf den Seiten der Stadtspürer vollziehen wir diesen Abschied jeden Abend. Wir prüfen die verschiedenen Bereiche des Lebens und fragen uns: Was will ich in der Dunkelheit verschwinden lassen? Was soll anstelle dessen im Licht des neuen Jahres geboren werden? Es gibt keine bessere Zeit, loszulassen als die Zeit vor den Raunächten. In den Raunächten selbst weben und wirken wir unser Schicksal neu. Doch bevor wir soweit sind, räumen wir erst einmal auf …

Abschied nehmen ist nicht immer leicht. Denn: Es fehlt uns etwas. Eine Lücke hat sich aufgetan. Diese Lücke auszuhalten, bevor sie mit etwas Neuem ausgefüllt werden kann, ist eine heilsame Erfahrung. Allzu schnell versuchen wir nach dem Verlust von etwas Geliebtem, Gewohntem die Leerstelle wieder zu besetzen. Doch das gelingt uns nicht immer. Und das ist auch gut so. Die Trauer über den Verlust ist eine wichtige Vorbereitung auf das Neue. Sie hilft uns, das in Ruhe gehen zu lassen, was lange Zeit Teil unseres Lebens war und deshalb gewürdigt werden will. Im Abschied sollte Würde liegen. Nur dann kann etwas Neues in unserem Leben würdevoll Platz nehmen.

Engel-Impuls an diesem Ort

Dieser Engel steht an einem Ort des Abschieds, nämlich auf dem Alten Nördlichen Friedhof. Er ist traurig und sanft zugleich. Er will uns den Abschied leichter machen, denn er kann schon über den Rand unserer Gegenwart hinaussehen – und weiß, welche Schönheit in unserer Seele aufblühen wird, welche Freiheit unser Herz erfassen wird, wenn wir losgelassen haben werden.

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.
Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…
Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.

Rainer Maria Rilke

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