Silvester – die Magie des Anfangs

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Silvester – die Magie des Anfangs

Die Silvesternacht ist da. Wie wirst du diese Nacht verbringen? Wo wirst du sein, wenn um Mitternacht das Jahr wechselt? Traditionell versuchen Menschen in dieser Nacht, dem Anfang einen Zauber zu verleihen, denn: Wie der Anfang, so gestaltet sich auch der weitere Verlauf und schließlich das Ende. Daher ist es wichtig, was du in dieser Nacht vorhast und mit wem du sie verbringst. Und letztlich kann es nicht schaden, dem Glück ein wenig auf die Sprünge zu verhelfen …

Vom Zauber des Anfangs

Schon Hermann Hesse sinnierte: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Und so verbindet der Anfang des neuen Jahres die Menschen weltweit. Begeistert feiern wir rund um den Globus mit dem Jahreswechsel den Wechsel von Alt zu Neu und die Hoffnung, im neuen Jahr werde vieles besser oder zumindest anders. Viele Traditionen und Gebräuche knüpfen an Silvester. Sie sind häufig aus uralten Übergangsriten entstanden. Die meisten von ihnen sollen dem Glück im neuen Jahr auf die Sprünge helfen oder einen Blick in die Zukunft gestatten.

Bleigießen gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Silvesterbräuchen. Dazu wird Blei auf einem Gießlöffel über einer Kerze flüssig gemacht und ins kalte Wasser geworfen. Die erstarrten Formen sollen die Zukunft deuten.

Die Alchemie der Zukunft

Warum ausgerechnet mit Blei der Blick in die Zukunft möglich sein soll, könnte möglicherweise einen Ursprung in der Alchemie haben. Denn Blei gilt dort als Wandlungssubstanz. Durch den alchemistischen Prozess wird das unedle Blei zu Gold gewandelt. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, in der Natur würde sich Blei in sehr langen Zeiträumen ganz von alleine in Gold verwandeln. Der Alchemist versucht nun, im Labor diesen an sich natürlichen Prozess künstlich zu beschleunigen. Dabei ging es den Alchemisten weniger darum, wirklich Gold herzustellen, sondern darum, parallel mit den Stufen der Wandlung sich selbst zu wandeln. Der Gewinn des Goldes war letztlich nur Ausdruck der eigenen Erleuchtung. Mit der äußeren Materie sollte sich auch das Innere des Menschen wandeln und zu höherer Bewusstheit führen.

Auch in der Silvesternacht findet im Grunde eine Wandlung statt. Das alte Jahr wandelt sich in ein Neues und wir hoffen ebenfalls auf Wandlung. Das alte, unbrauchbar und lästig Gewordene soll gewandelt werden in etwas Besseres und Glücklicheres.

Rot für die Liebe

Doch auch ganz profanen Bedürfnissen soll in dieser Nacht auf die Sprünge geholfen werden. Wie immer geht in erster Linie um Geld und um Wohlstand.

Wer sich in der Neujahrsnacht unter einem Mistelzweig küsst, der soll im kommenden Jahr Liebesglück erleben. Vor allem in Italien trägt man an Silvester rote Unterwäsche. Der Brauch ist auch in Frankreich und Spanien sehr beliebt, verbreitet sich aber zunehmend in ganz Europa. Woher er stammt ist nicht ganz gewiss. Sein Ursprung wird in der römischen Kaiserzeit unter Augustus vermutet. Dort stand die Farbe Rot weniger für die Liebe, sondern eher für Glück. Anderen Überlieferungen zufolge wurde der Brauch aus Asien nach Europa importiert. Dort steht die Farbe Rot für Erfolg und Wohlstand. In Brasilien dagegen wird an diesem besonderen Tag gerne Weiß getragen. Denn Weiß symbolisiert Neuanfang und ist die Farbe der Unschuld, Reinheit und des Friedens.

Wie ein Fisch im Wasser

Einem anderen Brauch zufolge bringt eine Fischschuppe an Silvester, in den Geldbeutel gelegt, Reichtum und Wohlstand. In vielen Kulturen gilt der Fisch als Fruchtbarkeitssymbol, da er sich stark vermehrt. Fruchtbarkeit aber wurde häufig mit Reichtum gleichgesetzt, denn fruchtbare Felder und fruchtbares Vieh waren der Reichtum des Bauern. In China ist der Fisch gar Zeichen des Überflusses und gilt dort als Symbol für eine gute Ernte. Wohl dem, der Küche und Kammer gut gefüllt weiß. Er kann sich wohl fühlen wie „ein Fisch im Wasser“ und wer genügend Geld besitzt, der ist vielleicht „ein dicker Fisch“. Die traditionelle Fischsuppe an Silvester kann also bestimmt nicht schaden. Vielleicht begeht man damit das neue Jahr „munter wie ein Fisch im Wasser“.

Schwein gehabt

Wer kennt es nicht, das Marzipanschwein an Silvester. Doch wie kommt das Schwein zum Glück? Schweine galten schon seit alter Zeit als Symbol für Stärke und Wohlstand. Wer Schweine hatte, war fein heraus. Es war genügsam und konnte entweder teuer verkauft oder geschlachtet werden. Ein einziges Schwein reichte aus, eine ganze Familie mit seinem Fleisch durch den Winter zu bringen. Das Schwein wurde aber nicht nur mit Speck und Wurst assoziert. Bei den Germanen war der wilde Eber ein heiliges Tier der Götter und in vielen Kulturen steht das Schwein für Stärke. Vor allen Dingen Freyr, der germanische Gott der Fruchtbarkeit, wird gerne in Begleitung eines Ebers dargestellt.

Das Geheimnis des schwarzen Mannes

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? So fragt ein altes Kinderspiel und meint damit eine im gesamten deutschen Sprachraum bekannte Kinderschreckgestalt, ein schattenhaftes, unheimliches Wesen, ganz in Schwarz gekleidet. Ein anderer schwarzer Mann allerdings ist als Glückssymbol bekannt und das nicht nur zu Silvester. Woher der Glaube rührt, die Berührung eines Kaminkehrers bringe Glück im neuen Jahr liegt im Dunkeln. Wahrscheinlich stammt er aus den Zeiten, als Brände durch verstopfte Kamine nicht selten waren.

Andererseits ist der Kamin jene Stelle im Dach, über dem das Haus mit dem Himmel verbunden ist. In einem Zelt wäre es die Öffnung in der Mitte. In schamanischen Kulturen ist dieses Loch der Zugang in eine andere Welt, die Welt der Ahnen, die über uns wachen. Der Kaminkehrer, Schornsteinfeger, Rauchfangkehrer ist also einer, der diesen Zugang frei hält und ihn pflegt. Und erinnert er nicht ein wenig an den Weihnachtsmann, der einer Tradition nach durch die Kamine in unsere gute Stube kommt, um dort seine Gaben zu hinterlassen? Und dieser Weihnachtsmann könnte sehr gut eine Erinnerung an Odin/Wotan sein, der gerade in den Raunächten durch die Lüfte rauscht, um die Menschen in ihren Behausungen aufzusuchen. In vielen Gegenden hat diese Rolle die Frau Holle inne. Auch sie liebt es, durch Schlote zu blicken und die Menschen zu beobachten, ob sie sich auch an ihre Gebete halten.

Und dann ist da noch der Besen des Kaminkehrers. Manche betrachten es als besonders glücksverheißend, sich drei Borsten von diesem abzubrechen. Aber erinnert er nicht auch ein wenig an den Besen der Hexen? Weniger dreist ist es allerdings, sich mit Glück zu versorgen, indem man seine Kleidung berührt, etwas Ruß abstaubt oder sogar den Knopf an seiner Jacke reibt. Allerdings muss man schon großes Glück haben, überhaupt noch einen Mann oder eine Frau dieses Berufes anzutreffen …

In einem Rutsch ins neue Jahr

Zu guter Letzt muss auch dies noch geklärt werden: „Guten Rutsch“ wünschen wir uns zu Silvester und „komm gut rüber“. Beide Wendungen verdeutlichen den Aspekt des Überganges. Um hinüber zu kommen, muss man zunächst vor etwas stehen. Wir stehen also an der Schwelle des Zeittores und treten hinüber in das neue Jahr. Das Rutschen wiederum stand früher mundartlich für eine kleine Reise und bezog sich zunächst auf eine Fahrt mit dem Schlitten. Es wir daher vermutet, dass der „gute Rutsch“ das mühelose Gleiten auf einem Schlitten in das neue Jahr bedeutete. Indem wir rutschen, gelangen wir sanft über die Schwelle.

Dieser Ausdruck scheint allerdings noch nicht so lange zu existieren. Die Deutung, dass sich dieser Ausdruck von dem jüdischen Begriff „Rosch“ ableitet, der Kopf oder Anfang bedeutet – das jüdische Neujahr heißt „Rosch Hashana“ (Jahresbeginn) -, gilt jedoch als überholt und wird von der Sprachwissenschaft weitestgehend abgelehnt.

So bleibt uns nur allen unseren Leserinnen und Lesern einen Guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen!
Möge das kommende Jahr uns noch reicher an Erkenntnissen werden lassen!

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