Münchner Originale im Karlstor

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In den vier Ecken unter dem Haupttorbogen des Karlstores finden sich vier Steinplastiken, die bekannte Münchner Originale darstellen. Von jedem sind Aussprüche bekannt, die zum geflügelten Wort wurden und fest zum Münchner Kulturgut gerechnet werden.

Nix gwiss woas ma ned

1763 bis 1829 lebte in München Joseph Huber, eines der echten Münchner Originale. Schon zu Lebzeiten war er der wohl beliebteste Mann in München, den die meisten unter dem Namen “Finessensepperl” kannten. Er war zwar sehr klein von Wuchs, dabei aber gut proportioniert – und ein Mensch voller Gegensätze. Während er die meiste Zeit fast einfältig vor sich hin lächelte, war er doch äußerst schlau, tat so, als ob er weder des Schreibens oder Lesens kundig war, und wusste doch ganz genau, was Schwarz auf Weiß geschrieben stand.

Für die Münchner war er der “Postillon d’ Amour”, denn er trug die heimlichen Botschaften, vor allen in Liebesdingen, von Haus zu Haus. Dafür ließ er sich mit ein paar Kreuzern oder Naturalien belohnen. Seine witzigen Aussprüche wurden schnell zu geflügelten Worten und schon zu seinen Lebzeiten erschienen sie als Sammlung in einem Buch. Der bekannteste Spruch aber ist der mittlerweile zur Münchner Redensart gewordene Satz: “Nix gwiss woas ma ned” – seine Antwort auf allzu neugierige Fragen, wenn er wieder einmal in geheimer Mission durch die Straßen der Stadt unterwegs war.

Finessensepperl starb am 26. April 1829. Er wurde auf dem Alten Südlichen Friedhof begraben. Sein Konterfei ist als eines der vier Münchner Originale in den Ecken des Neuhauser Tores am Stachus (auch bekannt als Karlstor am Karlsplatz) zu finden.

Wer ko, der ko!

Der Lohnkutscher und Pferdehändler (1780-1860) betrieb einen Rennstall. Vierzehnmal in Folge gewann er das Pferderennen auf dem Oktoberfest. Kein Wunder, dass er damit zur stadtbekannten Persönlichkeit wurde. Doch es war ein an den Kronprinzen und späteren König Ludwig I. Ausspruch, der ihn unsterblich werden ließ. Als er eines Tages mit seiner Kutsche die königliche Kutsche im englischen Garten überholte (was eigentlich bei Strafe verboten war!) und der König hinaussah, um zu sehen, wer sich derartiges erlaubte, rief er dem Kronprinz zu „Majestät, wer ko, der ko!“

Ludwig „rächte“ sich auf die gleiche humorvolle Weise. Als Krenkl wieder einmal als Sieger im Pferderennen von der Festwiese  ziehen wollte, blockierte die königliche Kutsche die Ausfahrt. Als Krenkl abstieg um nachzusehen, hörte er den Kronprinzen aus dem Inneren der Kutsche sagen:  „Schau Krenkl, wer ko, der ko!“ Seither wurde der Spruch zum geflügelten Wort.

Ein Prosit auf die Gemütlichkeit

Baron Sulzbeck (1767–1845) war Münchner Volkssänger, Kapellmeister und Kontrabassist. Mit drei weiteren Gesellen, Huber, Straubinger und Bacherl, zog er durch die Münchner Wirtshäuser. Die Truppe bot Musik und Gesang ohne festes Programm dar. Auf eine feste Gage konnten sich die Vier dabei nicht verlassen. Sie verdienten ihr Geld mit dem sogenannten „abwackeln“ – d. h. nach der Darbietung wurde mit einem Teller herum gegangen und Geld eingesammelt.

Doch es wurde nicht nur gesungen. Sulzbecks Bravourstück war die “Schlacht bei Waterloo”. Er stellte das Geschehen mit solcher Eindringlichkeit dar, dass das begeisterte Publikum ihm nicht nur Beifall, sondern auch reichlich Trinkgeld spendete. Der berühmte Trinkspruch „Ein Prosit auf die Gemütlichkeit“ soll von ihm stammen.

Leider blieb das Quartett nicht lange vollständig. Als 1813 die Ludwigsbrücke aufgrund der vielen Schaulustigen, die gekommen waren um das Hochwasser zu sehen, zusammenbrach stürzte der Violinist der Truppe, Huber, zusammen mit fast 100 anderen Münchnern in die eiskalten Fluten der Isar und ertrank.

Der letzte Hofnarr

Georg Pranger (1745–1820), Musiker und Humorist, war der letzte Hofnarr unter König Max I. Joseph. “Prangerl”, wie er liebevoll von den Münchnern gerufen wurde, war ein eher kleiner Mann. Er trug gerne Reiterhosen mit grauen Frack und großem Hut. Er war gelegentlich mit einem kleinen Pony unterwegs. Man erzählt sich viele Anekdoten von ihm, die ihn als listigen Kerl beschrieben.

Einmal soll er mit einer Laterne über den Schrannenplatz (den heutigen Marienplatz) gelaufen sein und die Leute gebeten haben, ihm beim Suchen nach seinem verloren gegangenen Verstand zu helfen. Besonders derb ist dieser von ihm überlieferte Spaß: “Königin Karoline sinnierte einst vor sich hin und fragte den Pranger: “Wie kommt’s denn, dass die Leut so gar schnell in Streit geraten?” Da antwortete ihr der Narr: “Rotborstete Sau, des is ganz leicht.” Erbost erwiderte die Königin: “Was, impertinenter Kerl, erlaubst du dir, solche Ausdrücke gegen meine Person!” Pranger aber verneigte sich nur und sagte: “Nun schauen S’m, i wollt Ew. Durchlaucht nur zeugen , wie ma sie glei z’kriegn kann!”

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AutorIn des Beitrags

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