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Keiler und Wels am Jagdmuseum

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Vor dem Jagd- und Fischereimuseum in der Fußgängerzone recken sich ungewöhnliche Bronzetiere: auf der linken Seite sitzt ein Eber schräg auf seinen Hinterbeinen, rechts vom Museum sperrt ein riesiger schnurrbärtiger Wels sein Fischmaul auf. Was die beiden Tiere gemeinsam haben: ihre Mäuler sind von vielen Berührungen golden glänzend. Denn dem Aberglauben nach bringt die Berührung der Schnauzen der Münchner Ebers und Wels Glück.

Ein Wildschwein für München

Erkundigt man sich nach der Herkunft des Bronzeebers, stößt man auf den Namen des Bildhauers Martin Meyer. Bei genaueren Recherchen stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei der Figur vorm Jagd- und Fischereimuseum um einen Abguss handelt, den Meyer im Jahr 1978 von einem 1960 gefertigten Eber vorgenommen hat. Doch auch diese Version ist nicht das Original. Entworfen hat die Tierbronze ein italienischer Bildhauer im Frühbarock, Pietro Tacca. Schon seit 1640 steht die Figur, von den Italienern „Porcellino“ genannt, in Florenz. Und selbst Reisende in Sidney haben einen Abguss desselben gesichtet!

Was fasziniert die Menschen scheinbar international an dieser Figur? Ist es die Überraschung, die Figur eines wilden, unzähmbaren Waldtieres in für ihn so untypischen städtischen Umgebungen zu sehen? Wenn sie ihn berühren, stellen sie so unbewusst einen oft verlorenen und wieder ersehnten Bezug zur Natur inmitten des Stadtlebens her?

Oder liegt es daran, dass es seit jeher eine magische Verbindung zwischen Schweinen und Glück gibt? Bei den Kelten war es ein heiliges Tier und in die antiken Griechen machten es zum Symboltier der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, vielleicht weil es mit seiner Schnauze die Erde aufwühlt, wie der Bauer den Acker pflügt. Das Schwein steht wohl seit ältesten Zeiten für die Kraft der Erde. Wer kennt nicht den Ausdruck “Schwein gehabt”? Möglicherweise geht er auf eine mittelalterliche Sitte zurück: Bei Sportwettkämpfen wurde dem Verlierer als Trostpreis ein Schwein geschenkt. Wer das Schwein bekam, erhielt also etwas, ohne es eigentlich verdient zu haben. Andere sagen, dass sich die Redensart auf das As im Kartenspiel bezieht, die in vielen Gegenden auch als “Sau” bezeichnet wird. Wieder einmal gilt: Nix gewiss woaß ma ned.

Der Wels vom Walchensee bedroht München!

Nicht gerade ein im landläufigen Sinne ästhetisches Tier, so ein Wels. Sein langer, glitschiger Körper wirkt platt und plump. Sein Maul öffnet sich breit und tief; an den Enden hängen lange, glitschige Tastsensoren. Der Wels ist der größte Süßwasserfisch Europas und dabei völlig ohne Schuppen. Bis zu drei Meter lang kann er werden.

So ein Untier mussten die Münchner einst zähmen:

An der Stelle, an der die erste Synagoge in München stand, dem heutigen Marienhof, errichtete man eine Gruftkirche, die noch bis 1803 stand. In dieser Kirche wurde ein besonderer Brauch praktiziert. Wenn ein neuer Kurfürst seine Regierungszeit antrat, ließ er in jener Gruftkirche einen Goldring weihen, der ganz aus Isargold zu bestehen hatte. Diesen trug er dann bis zum Walchensee, einen unergründlichen See, von dem man wissen wollte, dass er mit den Weltmeeren in Verbindung stünde. In den schwarzen Tiefen des Gewässers aber vermutete man einen riesigen Waller, wie der Wels in dieser Gegend auch genannt wird, mit Augen so groß wie Wagenräder und einer furchteinflößenden Zerstörungskraft. Mit seinem gewaltigen Leib umspanne er den sagenumwobenen Kesselberg, während er seinen Schwanz im Maul halte. Dieses Ungetüm zu stören war früher bei Strafe verboten – nicht einmal einen Stein durfte man in den düsteren See werfen. Denn würde der Waller erzürnt werden, dann würde er sein Maul aufreißen – und der Schwanz würde mit voller Wucht gegen die Uferwände donnern und sie wie Glas zersplittern lassen. Die sich durch die Wellen aufbäumenden Wassermassen würden sich dann bis in das schöne München ergießen – und es unter seinen Fluten begraben. Durch das Opfer eines Goldringes hofften die Bürger, dieses Unglück abwenden zu können.

Die zwei Gesichter der Natur

Der Wels steht also auch für die zu bezähmende Wasserkraft. Soll durch die Berührung des Ebers vielleicht ein wenig Naturgefühl zu uns zurückfließen, könnte das Anfassen des Wels uns wieder an die Gefahr erinnern, die von der Natur ausgeht, und daran, dass wir Menschen sie bezähmen müssen, um in und mit ihr leben zu können?

Der Keiler und der Wels, stehen sie für den ewigen Zwiespalt des Menschen? Sehnsucht nach Einklang mit der Natur und dem Auftrag, sie zu beherrschen?

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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