Janus – der Hüter der Schwelle

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Janus – der Hüter der Schwelle

Die Nacht des Jahreswechsels. Für viele hat diese Nacht eine besondere Bedeutung, ist sie doch die Nacht, in der das Alte stirbt und das Neue geboren wird. In jener Nacht überschreiten wir die Schwelle ins neue Jahr, in dem uns neue Chancen und Möglichkeiten erwarten. Dann, am Morgen des ersten Januar, sind wir angekommen, im neu geborenen Jahr.

Wie der doppelgesichtige Gott Janus blicken wir in dieser Nacht auf Vergangenes zurück, während wir schon die Zukunft begrüßen …

Janus – der Hüter der Schwelle

Mit dem Neujahrstag beginnt der Monat Januar, der seinen Namen vom altrömischen Gott Janus hat. Vielleicht ist er sogar einer der ältesten Götter des römischen Pantheons. Er ist der Gott des Anfangs und des Endes, entsprechend hat er zwei Gesichter – eines blickt in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft. In manchen Darstellungen hält er in der rechten Hand einen Stab, in der linken aber einen Schlüssel, das Symbol seiner Macht über die Himmelspforte.

Manche sagen, er hätte einen goldenen und einen silbernen Schlüssel, mit dem einen öffnet er die Tore der Wintersonnenwende,  mit dem anderen die der Sommersonnenwende. Die Tore der Wintersonnenwenden, wenn die Sonne in den Steinbock wandert, heißen die Tore der Götter – die Kräfte der Sonne wachsen wieder, wenn sie geöffnet werden. Die Tore der Sommersonnenwende aber heißen die Tore des Menschen, und wenn sie geöffnet werden, dann steigen die Kräfte der Sonne wieder hinab zur Erde.

Der Schlüssel ist ein starkes Symbol für die Nacht auf den ersten Januar, bedeutet er doch, dass wir die Kraft finden müssen, das Alte abzuschließen und uns für das Neue zu öffnen. Es ist ein Akt der Befreiung von den Fesseln der Vergangenheit. Der Stab – manchmal ist es auch eine Peitsche – diente Janus dazu, alles, was nicht durch die Türe des Übergangs gehen sollte, zurückzuhalten.

Janus und die schöne Nymphe

Cardera soll die schönste Nymphe im Hain des Helernus am Tiber gewesen sein. Ähnlich der Göttin Diana war sie jedoch ausschließlich an der Jagd interessiert und entwischte ihren zahlreichen Verehrern durch einen Schabernack. Wer für sie entbrannte, dem sagte sie, sie schäme sich unter freiem Himmel ein Schäferstündchen abzuhalten. Für ein Stelldichein lockte sie sodann den hoffnungsfrohen Anwärter in eine dunkle Höhle. Sobald dieser nun die Höhle betrat, machte sie sich auf und davon und ließ ihn einfach in der Dunkelheit zurück.

Als Janus der Nymphe zum ersten Mal begegnete, ging es ihm wie allen anderen. Er wollte sie sofort zu der Seinen machen und ließ sich in die Höhle locken. Dort aber konnte er sehen, was hinter seinem Rücken vor sich ging. Er entdeckte sie hinter einem Fels und umschlang sie trotz heftiger Gegenwehr. Dann aber entlohnte er sie für ihre verlorene Unschuld. Er schenkte ihr seine Macht über die Türschwellen und gab ihr einen Weißdornzweig. Mit Hilfe dieses Zaubers konnte die Nymphe fortan die Kinder vor Hexen schützen, die ihnen des Nachts das Blut aussaugen wollten.

Ein guter Anfang – ein gutes Jahr

Ursprünglich ist Janus wohl das Gegenstück oder sogar ein Partner der Göttin Jana oder Diana, der Mondgöttin, und war entsprechend ein Licht- und Sonnengott. Später wurde er zum Gott des Ursprungs, der Anfänge und Enden, der Türen und Tore, zum Hüter der Schwelle, der Übergänge, der Brücken – und als Gott des Ursprungs auch der Quellen. Ebenso war er bei jeder Geburt anwesend. Das erste Gebet des Tages gebührte stets Janus.

So ist auch das, was wir am ersten Tag des Jahres tun symbolisch für das ganz Jahr. Während die meisten den Feiertag wohl nutzen, um den Rausch der vergangenen Nacht zu kompensieren, war es früher üblich sich an Neujahr zu besuchen. Man überbrachte persönliche gute Wünsche für das Neue Jahr und beschenkte sich mit Kuchen und Brot, oft als Zopf geformt, denn das geflochtene Brot galt als Bannzauber gegen böse Mächte ebenso wie der Kringel. Gerade das Neujahrsbrot soll besondere heilbringende Kräfte besitzen. Mancherorts wird auch gerne ein Fisch aus Brot oder Lebkuchenteig verschenkt, denn der Fisch ist ein Symbol für Reichtum und Fruchtbarkeit. In Russland kommt am Neujahrstag Väterchen Frost mit einem Sack voll Lebkuchen und beschenkt die Kinder. Auch in Frankreich war es lange Zeit Sitte, die Bescherung auf den Neujahrstag zu legen.

Das Zwiebelorakel

Da mit Neujahr das neue Jahr beginnt, konnte der Neujahrstag auch gut genutzt werden, um eine Blick in die Zukunft des gesamten anstehenden Jahres zu werfen, zum Beispiel mit einem Zwiebelorakel. Dazu schnitt man sechst Zwiebel in der Mitte durch und legte die zwölf Hälften eine Schüssel, oft in eine so genannte Zwiebelkachel, ein Gefäß, das speziell für dieses Orakel gedacht war. Jede der Hälften stellt einen Monat des kommenden Jahres dar. Die Zwiebeln nehmen nun Feuchtigkeit auf und beginnen zu treiben. So üppig das Wachstum der Zwiebel wäre, so fruchtbar würde der entsprechende Monat werden …

Viele Orakel an diesem Tag gehen von der Vorstellung aus, dass der erste Tag im Jahr das Jahr im Ganzen vorwegnehme. So ging man stets in frischer Wäsche, frisch gewaschen und sauber ins Neue Jahr. Dies stellt ein gutes Omen für alle möglichen Unterfangen in der Zukunft dar. Auch durfte man sich an diesem Tag nicht streuten, alles musste sauber und ordentlich sein, und überhaupt tischte man für sich selbst, für die Familie und die Nachbarn in Hülle und Fülle auf. Auch das Glückwünschen ist eine wichtige Tradition, denn wer anderen Glück wünscht, wird selbst mit Glück reich belohnt …

 

 

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