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Heinrich und der Teufel

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Der Gründungsvater Münchens und der Teufel

In unserer Artikel-Serie über Löwenorte hatte ich schon auf das rätselhafte Relief über der Sparkasse neben dem Alten Rathaus hingewiesen. Auf dem verwitterten Stein ist ein mager aussehender Löwe abgebildet, der sich zu vier Löwenkindern hinunter beugt. Er haucht seinen Jungen Leben ein, die nach früherer Vorstellung tot geboren und erst durch den Atem des Vaters zum Leben erweckt wurden. Dieses Bild wurde auf den Namensvetter Heinrich den Löwen übertragen, der der Stadt München mit der Errichtung der Salzhandelsbrücke Leben einhauchte. Gegenüber, am Alten Rathaus, ist Heinrich selbst zu entdecken – wie er mit gezücktem Schwert seine Stadt bewacht.

Wie die Gründungsgeschichte Münchens genau ablief und wer Heinrich der Löwe war, könnt ihr auf unserer Tour durch ein „Mystisches München“ erfahren.

Der Sage nach soll Heinrich der Löwe nicht nur wegen seinem Mut, seiner Stärke und seiner Tapferkeit seinen Beinamen erhalten haben, sondern auch, weil er auf einem seiner abenteuerlichen Streifzüge einen Löwen aus den Fängen eines Drachen gerettet haben soll. Aus Dankbarkeit soll ihm der Löwe seit dem nie mehr von der Seite gewichen sein.

Heinrich überlistet den Teufel

Nachdem Heinrich den Löwen gerettet hatte, wollte er mit ihm zurück nach Braunschweig reisen. An den Wald, in dem der Kampf stattgefunden hatte, grenzte ein weites Meer. Die beiden ungewöhnlichen Kumpane bauten sich also ein Floß, um darauf Richtung Heimat zu schippern. Tagelang trieben sie auf dem Meer, Hunger und Durst quälten sie. Die Erschöpfung drohte, sie bald dahinzuraffen. Da raunte plötzlich eine heisere Stimme an Heinrichs Ohr: „Versprich mir deine Seele“, hauchte sie „dann bringe ich euch unbeschadet nach Hause“. Es war der Leibhaftige persönlich, der plötzlich aus dem Nichts auftauchte und Heinrich diesen Pakt anbot. Heinrich verhandelte: „Bring mich zuerst nach Hause, hole dann den Löwen. Falls ich bis zu deiner Rückkehr eingeschlafen sein sollte, kannst du meine Seele haben.“ Hässlich grinsend willigte der Teufel ein.

Nach einem waghalsigen Flug auf den Schultern des gehörnten Bösen befand er sich wieder zu Hause. Kaum war der Teufel erneut aufgebrochen, verspürte Heinrich eine bleierne Müdigkeit, die seine Augen zudrückte. Der Teufel ließ seine Macht spielen! Heinrich fiel in einen tiefen Schlaf.

Als der Teufel nun mit dem Löwen auf der Schulter angebraust kam, freute er sich schon, als er den schlafenden Heinrich sah. Als der treue Löwe seinen Herrn jedoch reglos auf dem Boden erblickte, hielt er ihn für tot und setzte ein verzweifeltes Gebrüll an. Davon erwachte Heinrich. So hatte der Löwe nun Heinrich gerettet, der Teufel musste sich besiegt geben und sauste wutentbrannt davon.

Der stets besiegte Teufel

Vielleicht fragt ihr euch, wie es sein kann, dass der Teufel, eine so furchteinflößende und mächtige Kreatur, in so vielen Sagen besiegt, überlistet oder in die Flucht geschlagen wird.

Bei Heinrich dem Löwen geht der Plan des Leibhaftigen nicht auf, Die Frauenkirche und der Teufel, der mutige Turmwächter des Alten Peter hat den Teufel mit einem Kruzifix vertrieben.

Stellen wir uns den Teufel einmal vor. Wie sieht er in unserer Fantasie aus? Er trägt Hörner, hat einen Pferdefuß, seine rote Haut ist an manchen Stellen mit Fell bedeckt. Der Teufel ist also ein Mischwesen, aus Tier und Mensch. Er steht für das Animalische; ist ein Naturwesen. Und der Mensch sieht es als seine Aufgabe, sich die Natur Untertan zu machen, sie zu bändigen, zu besiegen, zu zähmen. So könnte eine Erklärung für den Ausgang der Teufelssagen sein, dass der Mensch dem ursprünglichen Naturwesen Teufel überlegen ist und ihn daher stets besiegen muss.

Es gibt noch einen anderen Erklärungsversuch: Im heidnischen Glauben wurden Naturgeister genau so dargestellt, wie wir denTeufel heute imaginieren. Die Naturgeister standen für Fruchtbarkeit und Sexualität. Als der christliche Glaube den heidnischen abgelöst hat, wurden auch die heidnischen Gottheiten (allen voran natürlich jene, die mit Erotik in Verbindung gebracht werden konnten) im wahrsten Sinne des Wortes „verteufelt“. Auch in dieser Überlegenheit des neuen Glaubens könnten die Siege über den Teufel als ehemaligen Naturgeist in unseren Sagen liegen.

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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