Geheimnisvolle Nikolausnacht – Ursache und Wirkung

Startseite » Mystisches Wissen » Geheimnisvolle Nikolausnacht – Ursache und Wirkung

Klicke auf das Bild für eine Vollbildansicht.

In der Nacht auf den 6. Dezember geht der Heilige Nikolaus umher, verteilt Geschenke an die Kinder, die artig gewesen sind und liest den Ungehorsamen die Leviten. Aber er ist nicht alleine …

Der raue Percht

In vielen Gegenden hat er dazu einen Diener, den Knecht Ruprecht. Sein Name spricht Bände, denn dahinter klingt „Rupercht“ hervor – der „ruppige“ oder „raue Percht“.

Was aber ist ein Percht? Die Perchten sind verkleidete und vermummte Personen, die mit ihrem Wirken das Gute stärken und dem Bösen entgegentreten. Sie sind typische Gestalten der Raunächte. Ihr Auftreten bringt Gesundheit und bannt Krankheit. Ein alter Spruch besagt: „So hoch wie der Percht springt, so hoch wird im nächsten Jahr das Getreide wachsen.“ Daraus lesen wir, dass sich hinter den Perchten alte Fruchtbarkeitsdämonen verbergen.

Die schönen und die schiachen Perchten

Percht stammt von einer Wortwurzel mit der Bedeutung „leuchtend, strahlend, hell“. Das Wort „prächtig“ ist damit verwandt, aber auch das umgangssprachliche „berig“ für etwas, das großartig ist. In vielen deutschen Namen finden wir das Wort wieder: in der Berta ebenso wie im Berthold, in Engelbert, aber auch in Rupert. Und natürlich in der alpenländischen Variante der Frau Holle, der Perchta.

„Leuchtend, strahlend, hell“: Tatsächlich sind in erster Linie die schönen Perchten gemeint, die in herrlichen Uniformen kostümiert sind und wie schützende Mächte wirken. Aber es gibt auch die „schiachen“ Perchten, die hässlichen, mit wilden Kostümen, monströsen Masken und von übergriffiger Wesensart. Ursprünglich treten beide zugleich auf und verkörpern so die Polarität alles Lebendigen. Dabei laufen sie von Hof zu Hof, um den Perchtensegen zu verteilen. So ist Brauch zum Beispiel noch in Kirchseeon bei München und im Salzburger Land.

Krampus, der Dämon des Winters

Die vielen Krampusläufe mit ihren furchteinflößenden Masken, wie sie in vielen Städten wieder lebendige werden, zum Beispiel in München, sind hingegen wohl eher Nachfolger von Umzügen ausschließlich „schiacher“ Perchten. Solche Krampusläufe waren usrprünglich nur am 5. Dezember üblich, denn der Krampus ist der Begleiter des Nikolaus.

Der Krampus ist eine im süddeutschen Raum verbreitete dämonische Gestalt der Raunächte. Er spürt unfolgsame Kinder auf, steht sie in seinen Korb und setzt sie irgendwo im Dunkeln außerhalb des Dorfes wieder aus. Dann müssen sie ganz alleine wieder nach Hause finden … Besonders garstige Krampusse werfen die armen Kinder sogar in das eiskalte Wasser eines Baches oder Weihers, um ihnen eine Lektion zu erteilen.

Knecht Ruprecht

Von drauß, vom Walde komm ich her.
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein blitzen.
Und droben aus des Himmels Tor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
Knecht Ruprecht, rief es, alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!

Ich sprach: O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s lauter gute Kinder hat.

Hast denn das Säcklein auch bei dir?
Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern,
Die essen alle Kinder gern.
Hast denn die Rute auch bei dir?
Ich sprach: Die Rute ist auch hier.
Doch für die Menschen nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.

Christkindlein sprach: So ist es recht.
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!

Von drauß, vom Walde komm ich her.
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier drinnen find:
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

(Theodor Storm)

Die dunkle Seite der Weihnachtszeit

Gerade die Figur dieses „Dämons der Weihnacht“ macht die Nikolausnacht zu einer der bedeutendsten Losnächte vor den eigentlichen Raunächten ab der Heiligen Nacht. Er konfrontiert uns bei aller Frömmigkeit der besinnlichen Tage mit der unheimlichen Seite dieser Zeit. Diese verschwindet förmlich unter all der glitzernden Weihnachtsdekoration und im Glühweindunst der Christkindlmärkte.

Aber diese dunkle Seite ist da und schlägt sich auch in der Moderne immer mehr ihre Bahn. Krampusläufe und Perchtentreiben ziehen immer mehr Menschen an, vielleicht weil sie uns daran erinnern, dass die Zeit der Dunkelheit nicht nur eine Zeit von Friede und Freude war, sondern auch geprägt vom Kampf ums Überleben – begleitet von der Hoffnung, dass Licht und Wärme wiederkehren werden. Sie berühren uns auf eine ganz ursprüngliche Weise dort, wo wir noch Angst vor den dunklen Seiten des Lebens haben dürfen, wo der Schatten noch nicht vom Licht verdrängt wurde.

Bescherung am Nikolausabend

In früheren Zeiten und heute auch noch in Holland ist der Nikolausabend der Tag der Bescherung – und nicht der Heilige Abend am 24. Dezember. Dann kommt der heilige Nikolaus mit seinem Gabensack und verteilt Geschenke. Jeder bekommt ein Geschenk, wobei die Knoten nicht einfach aufgeschnitten werden dürfen, sondern einer um den anderen gelöst werden muss. Man liest sich gegenseitig Gedichte vor, in denen man sich mit einem Augenzwinkern den Spiegel vorhält, sich auf schlechte Angewohnheiten aufmerksam macht. Dabei muss der so aufs Korn genommene unbedingt gute Miene zum neckischen Spiel bewahren. Die Kinder stellen abends Heu, Mohrrüben und Brot für den Schimmel des Nikolaus vor die Türe. Dafür finden sie am Morgen in Ihren Strümpfen und Schuhen Orangen und Mandarinen – symbolisch für die goldenen Gaben aus der Legende.

Die Magie der Nikolausnacht

Diese Nacht ist eine der wichtigsten Losnächte, um das Geheimnis der Vor-Raunachtszeit zu begreifen. Die Magie der Nikolausnacht fußt dabei nicht nur auf der Legende des Heiligen, sondern auch in tief wurzelnden vorchristlichen Vorstellungen. Es geht um Licht und Schatten, hell und dunkel – und vor allen Dingen um Ursache und Wirkung. Denn jetzt ernten wir, was wir gesät haben …

Der Nikolaus bringt uns den Lohn für unsere Taten. Gerade in dunklen Zeiten beweist sich, ob wir mit unseren Kräften gut haushalten konnten und Maß gehalten haben. Ein tugendhaftes Leben wird nun belohnt, ein lasterhaftes rächt sich. Wer nur von heute auf morgen lebte, der bekam gerade jetzt die Folgen seines Tuns aufgetischt. Wer nicht vorgesorgt hat für die mageren Tage des Winters, der wurde abgestraft, bekam die Rute des Krampus zu spüren. Lohn oder Strafe. Alles hat seine Ursache in unseren eigenen Handlungen. Dies ist eine der Lektionen dieser Nacht …

Als Clubmitglied hörst du hier diesen Beitrag als Podcast.

Du bist bereits Mitglied? Dann melde dich hier an - und lies weiter:

Stadtspürer-Touren zum Thema

Das könnte dich auch interessieren

Caw Portrait 2012 1200

CAW

AutorIn des Beitrags

Kein Geheimnis verpassen!

Mit dem kostenlosen Newsletter-Service der Stadtspürer verpasst du künftig kein Stadtgeheminis mehr. Du erfährst nicht nur Spannendes und Geheimnisvolles aus München, Berlin, Hamburg und Ausgburg, sondern auch aus anderen Städten in Deutschland und anderswo. Ein Füllhorn an Wissen und Inspirationen - frei Haus und jederzeit kündbar!


Ja! Ich will Post aus dem Hause Stadtspürer erhalten - und bin mir bewusst, dass meine Daten zum Zweck des Emailversands gespeichert werden.