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Geheimnisvolle Meerjungfrau

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Gerade in Hamburg, doch auch in vielen anderen Städten, durch die die Stadtspürer führen, begegnen wir immer wieder der Meerjungfrau. Dieses schöne Salzwassergeschöpf – halb Mensch, halb Fisch – ziert so manche Fassade, besonders der Bauten des 19. Jahrhunderts. Kein Wunder, denn in dieser Zeit feierte die deutsche Romantik Hochkonjunktur. Diese kulturelle Strömung feierte das Fantastische, die Entrückung von der Realität und alle Sagen, die sich um unerfüllte Sehnsucht drehen.

Natürlich passten da die traurigen Legenden von lieblichen Meeresdamen wie Melusine, Undine oder Albhine bestens ins Bild. Sie alle teilten das Schicksal der berühmten Kleinen Meerjungfrau von Hans Christian Andersen. Wie sie verließen sie für einen Menschenmann das heimatliche Nass und wurden zum Lohn für ihr Opfer von ihm betrogen und oft verstoßen. Anders als Andersens zartes Geschöpf – Vorlage für Disneys Arielle – rächten sich jedoch die meisten Damen an ihren untreuen Geliebten. Denn wer sich nun einmal gegen die fischschwänzigen Schönheiten versündigte, der bezahlte das mit seinem  Leben. Neben der die Romantik bestimmenden Todessehnsucht, zeugt das traurige Ende der Liebesgeschichten zwischen Erdenmann und Wasserfrau von der ewigen Angst des Mannes vor dem Weib – dem unbekannten, vielleicht dämonischen Wesen. Auch heute noch lässt sich der zweigeteilte Körper der Meeresfrau als allzu menschlicher Zwiespalt zwischen Verstandeswesen und triebgesteuertem Tier interpretieren.

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden Meerjungfrauen gern mit Nixen in einen Topf geworfen. Doch erstere bezeichnet eigentlich eine weibliche Meeresbewohnerinnen – oft edler Abstammung. Die Nixe, in ihrer männlichen Form auch als Nix oder Nöck bekannt, ist hingegen ein Elementargeist, der sich gern unter Brücken und in Flüssen herumtreibt und von dort aus die Menschen, denen er oder sie nicht gerade wohl gesonnen ist, „nickt“ und „neckt“. Vor solchen Wesen fürchteten sich bereits die alten Griechen, die beispielsweise in Sagen über die Sirenen vor ihnen warnten. Welcher Seemann durch den betörenden Sang dieser sinnlichen Frauen mit Krähenfüßen berauscht wurde, dessen Schiff zerscholl ebenso sicher an einem Felsen, wie das aller Matrosen, die der Schönheit der sich ewig kämmenden Loreley auf ihrem Felsen über dem Rhein verfielen. Denn die ängstliche Faszination bezüglich der Meerjungfrauen und Nixen entstand beileibe nicht erst in der Romantik.

In Norddeutschland wurden spätestens seit dem 12. Jahrhundert junge Männer davor gewarnt, sich in eine besonders schöne Frau zu verlieben. Es hieß, dass sie garantiert eine Meerjungfrau wäre und in einer Ehe nur Unglück bringen würde. Auch an Bord eines Schiffes waren die Damen aus dem Meere keinesfalls geduldet. Und da man sich nie sicher sein konnte, ob sich unter den Röcken einer Frau nicht ein Fischschwanz verbarg, war es dem Weibsvolk generell verboten, ein Schiff zu betreten. Man brachte sie lieber als Galionsfiguren am Schiffsbug an. Denn es hieß, dass die nackten Brüste einer Frau den Sturm besänftigen würden. Findet sich ihr Konterfei vielleicht deshalb so häufig an den Fronten alter Geschäftshäuser? Und schauen die meisten Meeresdamen und Nixen von dort  eher spitzbübisch als lieblich auf ihre Betrachter/innen herab?

Oft wird die Wasserfrau übrigens mit zwei Fischschwänzen abgegbildet, deren beiden Enden sich seitlich in die Höhe recken. Die genaue Bedeutung des Doppelschwanzes bleibt jedoch leider im Dunkeln. Manche glauben, dass er sich auf die furchteinflössende Medusa bezieht und das Fischweib dadurch mit der Schlangenfrau verbunden wird. Doch könnte diese Darstellung auch als eine maritime Form der Gebärstellung gedeutet werden. Gar nicht so unwahrscheinlich, denn die Meeres- und Flüssefrauen wurden früher gern mit Kindersegen in Verbindung gebracht. Dies würde erklären, warum sich auch Frauen im Mittelalter vor den Wassergeschöpfen fürchteten. Es hieß, dass ihnen die fiesen Neckerinnen besonders unter der Geburt große Schmerzen bereiteten, wenn frau ihnen nicht genügend Beachtung schenkte. Welche Frau ihnen jedoch regelmäßig opferte, die wurde mit Reichtum und lang anhaltender Fruchtbarkeit gesegnet.

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Kirsten Buchholzer

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AutorIn des Beitrags

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