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Finessensepperl – der Postillon d’Amour

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Das Finessensepperl

Hunderte und Aberhunderte Male bin ich schon unter dem Neuhauser Tor am Stachus durchgegangen. Doch heute, kurz vor Valentinstag, bleibe ich darunter stehen. Und schaue nach oben, in seine Ecken. Ich möchte das Konterfei eines Mannes betrachten, der, wie ich erst vor Kurzem herausgefunden habe, im 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle für das Gelingen von Liebesbeziehungen in München gespielt hat und den ich Ihnen auf der Liebestour vorstellen möchte.

Es ist das sogenannte „Finessensepperl“. Das Finessensepperl, der mit richtigem Namen Josef Huber hieß, war nämlich der Postillon d’Amour von München. Der Überbringer von Liebesbriefen.

Der Liebesbote

Von ungewöhnlicher Gestalt war das Finessensepperl; nur 1,50 „groß“ soll er gewesen sein. Mit einem weit schlackernden grünen Cape bekleidet, einer Schiebermütze tief in die Stirn gezogen, ging er von Haus zu Haus. Reiche Bürgersleute oder die einfachsten Bauern bestellten ihn zu sich, um ihm eine kostbare, geheime Ware anzuvertrauen: Den Liebesbrief.

Das Finessensepperl, das so hieß, da es sich mit Finessen, mit Naturalien bezahlen ließ, versteckte den Brief in seinem Korb mit doppeltem Boden. Im Bauch des Korbes lagen die in geschriebene Worte gepackten Liebesschwüre versteckt, darüber die Nahrungsmittel, mit denen er bezahlt wurde.

Das Finessensepperl war selbst in einer Liebesbeziehung: mit der „roten Nanni“, eine ebenfalls kleinwüchsige Frau. Ein auffälliges Gespann müssen die beiden in München gewesen sein…

„Nix gwies, woas ma ned“

Das Finessensepperl war als Postillon d’Amour wegen seiner unerschütterlichen Diskretion bei den Münchnern beliebt. Zwar konnte er selbst nicht lesen, der Inhalt der Liebesbriefe war bei ihm also sicher, doch schließlich wusste er genau, wer wem eine Liebesbotschaft zukommen ließ! Nicht selten wurde er von neugierigen Münchnern mit Fragen durchbohrt: „Sog amoi, bandelt der Huber Sepp mit der Vroni vom Oberanger an?“, „Hat die junge Müllerin ein Auge auf den verheirateten Bäcker g’worfen?“ – „Nix gwies, woas ma ned“ – der berühmt gewordene Ausdruck, soll auf solche Fragen stets die Antwort vom Finessensepperl gewesen sein.

Bismark soll einmal gesagt haben, es sei unmöglich, Küsse zu schreiben. Doch das Finessensepperl, das sich mit dem Überbringen von Liebesbriefen finanziert hat, beweist das Gegenteil. Denn ist ein Liebesbrief denn nicht eigentlich nichts anderes, als „der Versuch, einen Kuss heil durch die Post zu bringen?“ (Dieter Hildebrandt)

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Cathérine Fischer

AutorIn des Beitrags

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