Dunkle Luziennacht – Licht und Finsternis

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Über die heilige Luzia ist historisch gesehen nur wenig belegt. Sie kam wohl um 286 als Tochter eines Kaumanns in Syrakus in Sizilien auf die Welt. Sie gilt als Schutzheilige der Kutscher, Sattler, Glaser, Schneider oder Weber, aber auch der Bauern, Hausmeister, Optiker, Notare und Schriftsteller.

Die Frau mit den Augen

Als nach dem Tod des Vaters auch noch die Mutter erkrankt, unternimmt Lucia eine Wallfahrt und siehe da – die Mutter wird wieder gesund. Das bestärkt Lucia in ihrem Glauben und sie bittet darum, ihr Leben in Keuschheit und Armut zu verbringen. Die Mutter erlaubt daraufhin die Absage der geplanten Hochzeit und Lucia verschenkt ihre Aussteuer an die Armen. Ihr ehemaliger Verlobter gerät darüber so in Zorn, dass er sie an den Präfekten verrät. Lucia erleidet das Schicksal einer Märtyrerin und wird schließlich durch einen Schwertstich in den Hals getötet.

Ihre Legende hat die Menschen zu allen Zeiten inspiriert, erzählt sie doch von einer Frau, deren Standhaftigkeit in der Verteidigung ihres Glaubens wörtlich zu nehmen war. Ihre Symbole sind neben dem Palmwedel, den christliche Märtyrer zumeist tragen, vor allen Dingen die beiden Augen in einer Schale, was auf eine Ausschmückung ihrer Legende zurückgeht.

Die Lichterkönigin

Während sich bei uns der Brauch zu Ehren der Lucia in Grenzen hält – bekannt ist beispielsweise das „Lichterschwemmen“ in Fürstenfeldbruck -, ist ihr Tag in Schweden und anderen skandinavischen Ländern ein ganz besonderes Fest. Es beginnt am Morgen in den Familien, wo traditionell die älteste Tochter zur Lucia gekürt wird. Sie bekommt ein weißes Gewand, gegürtet mit einem roten Band. Dann wird sie mit einem Kranz aus Kerzen gekrönt. Manchmal folgen ihr andere Mädchen, die alle Kerzen in der Hand halten. Auch die Burschen dürfen mitmachen, und zwar als Sternknaben mit spitzkegeligen Hüten, als Pfefferkuchenmännchen und Wichte. Diese Prozession zieht dann durch die Straßen. Es werden Lieder gesungen und mancherorts wird auch die Lucia des Ortes gewählt. Traditionell gibt es die Lussekatter („Lichtkatzen“), ein Safrangebäck, oft in Form von Doppelspiralen.

Diese Doppelspirale verweist auf einen ganz anderen Hintergrund des Luciafestes, denn: Bis zur gregorianischen Kalenderreform Ende des 16. Jahrhunderts war der 13. Dezember der Tag der Wintersonnenwende! Die Spirale, die sich einmal nach innen, dann wieder nach außen dreht, steht für diesen Moment im Jahreskreis, an dem die Sonne ihren tiefstmöglichen Stand über dem Horizont erreicht hat, um dann wieder langsam, aber sicher, ihren Weg in die Höhe zu finden – Tag für Tag ein Stückchen mehr.

Das Licht der Lucia ist daher weniger der Heiligenlegende zu verdanken als der Erinnerung an diesen kosmischen Augenblick, in dem das Licht wiedergeboren wird.

Die bluadige Luz

Die Nacht auf den 13. Dezember gehört aber auch zu den unheimlichsten Losnächten, denn in ihr ist nicht nur die Lichtgestalt Luzia unterwegs, sondern auch ihr finsterer Zwilling, die bluadige Luz’ oder Luzier … Vor allem in Bayern ist diese Schreckgestalt der Raunächte bekannt und gefürchtet. Ihr Erkennungszeichen ist eine Sichel. Von dieser macht sie auch grausigen Gebrauch, denn wen sie erwischt, dem schlitzt sie damit den Bauch auf … Vor allen Dingen auf unartige Kinder hat sie es abgesehen, deren Gedärm sie sammelt und in einer Schüssel rührt.

Luzia und Luz: Auch wenn diese beiden Gestalten in der heutigen Zeit fast vergessen sind, besitzen sie eine ganz eigene Faszination. In der Doppelgestalt Luzia/Luz spiegelt sich das Grundthema der Losnächte und der späteren Raunächte wieder: Licht und Dunkelheit als zwei sich wechselseitig bedingende Urprinzpipien alles Lebendigen. Das Schöne und das Hässliche, das Fromme und das Dämonische, das Liebliche und das Grausame … beides ist unzertrennlich.

Die Dunkelnächte beginnen

Der Tradition nach beginnen außerdem mit der Luziennacht die Dunkel- oder Sperrnächte. Was es damit auf sich hat und wie du diese für dich als Vorbereitung zu den Raunächten nutzen kannst, erfährst du hier:

Dunkelnächte

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