Dracula in München

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Dracula beginnt in München

Wer kennt ihn nicht, Dracula, den Fürsten der Finsternis, den König der Vampire, blutsaugendes Monstrum einerseits, andererseits tragische Gestalt, genial in Szene gesetzt im 19. Jahrhundert durch den irischen Romancier Bram Stoker. Die Faszination, die dieses Wesen der Nacht auf die Menschen ausübt, ist bis heute ungebrochen. Nicht zuletzt die zahllosen Verfilmungen bezeugen, dass Stoker eine Ikone des Grauens erschuf, die immer wieder in seinen Bann schlagen lässt.

Doch was wenige wissen: Der Roman „Dracula“ hat eine Vorgeschichte. Diese steckt noch als Andeutung in dem Satz, mit dem alles beginnt: „3. Mai, Bistritz. „Habe München am 1. Mai, abends um 8 Uhr 35 verlassen. Ankunft in Wien früh am nächsten Tag.“ Schon das Datum sollte aufhorchen lassen, ist es doch der Tag nach der Walpurgisnacht, der Nacht, auf dem sich die Hexen und Dämonen versammeln, um auf dem Blocksberg ihrem Herrn und Meister, Satan persönlich, zu huldigen.

Doch wir haben richtig gelesen: München! Alles beginnt in unserer Landeshauptstadt … Von hier bricht der englische Anwaltsgehilfe Jonathan Harker Richtung Transsilvanien im Jahre 1883 auf. Eine Reise, die zu seinem Verhängnis werden soll …

Walpurgisnacht in München

Tatsächlich verbrachte Harker die unheimliche Walpurgisnacht in München – und hatte dort Erlebnisse, die ihn eigentlich Warnung und Lehre hätten sein können. Woher wir das wissen? Weil Stoker ein Kapitel hinterließ, das im späteren Manuskript keinen Eingang fand, dann aber als Kurzgeschichte veröffentlicht wurde: „Draculas Gast“. Man munkelt, dass Stokers Ehefrau Florence der Grund dafür war, dass man den Auftat an der Isar fallen ließ – sie fand die Geschichte schlicht und ergreifend zu gruselig.

Die Geschichte in Kurzform:

Jonathan Harker bricht vom Hotel „Vier Jahreszeiten“ auf, um sich auf eine Spazierfahrt ins Umland zu begeben. Er hatte von einem verlassenen Dorf gehört, auf dem ein unheimlicher Fluch lastete – trotz Warnung des Maitre des Hotels: „…denn Sie wissen ja, was für eine Nacht heute kommt.“ Kurz vor dem Ziel verweigert der Kutscher die Weiterfahrt, Harker geht zu Fuß. Dann zieht ein Schneesturm auf.
Mitten in der Nacht der Hexen gelangt der junge Mann auf einen Friedhof und findet dort das Mausoleum der Gräfin Dolingen aus Graz. Zu seinem Entsetzen findet er die Leiche der Gräfin vor – unverwest! Da zuckt ein Blitz vom Himmel und schon fällt die Gräfin als Untote über ihn her, droht ihm das Blut auszusaugen.
Doch es kommt anders: ein mächtiger weißer Wolf taucht auf, vertreibt die Vampirin und sorgt dafür, dass er die Nacht übersteht. Noch ahnt Harker nicht, dass der Wolf niemand anderes als sein künftiger Gastgeber ist, Graf Dracula höchstpersönlich. Tatsächlich wird er kurze Zeit später gerettet: im Hotel war ein alarmierendes Telegramm eingegangen, gezeichnet von – Dracula. Wir kennen den Grund: der Fürst hat noch weitreichende Pläne mit dem jungen Anwaltsgehilfen …

Hier endet die Geschichte.

Das versunkene Darf Pachem

Gibt es Hinweise, dass dieses versunkene Dorf, an dem diese grauenhafte Begebenheit stattfand, einen realen Hintergrund hat? Zunächst lässt die Beschreibung der Kutschfahrt kaum erkennen, wohin die Reise geht. Weder ist eine Himmelsrichtung angegeben, noch entsprechen die Beschreibungen irgendeiner bekannten Landschaft rund um München.

Manche mögen in dieser Geschichte einen Anklang an eine alte Sage entdecken: das verlorene Dorf Pachem, eine mittelalterliche Siedlung, die im 14. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Berg am Laim erwähnt wird – dann plötzlich aus den Aufzeichnungen verschwand. Warum ist Pachem – oder Bachheim – verschwunden? Bis heute ein Rätsel. Das verschwundene Dorf Pachem existiert nur mehr in der Sagenwelt weiter: Eines Tages soll das ganze Dorf plötzlich verschwunden sein, wie vom Erdboden verschluckt. An windstillen Tagen sollen aber Kirchturmglocken, Wagenfahren, Peitschenknallen aus der Tiefe der Erde nach oben dringen …

Merkwürdig: der Hachinger Bach

Mögliche „natürliche“ Ursachen: die Pest, der Krieg – oder aber auch das plötzliche Versiegen des Baches, nach dem der Ort seinen Namen hatte. Ohne Wasser war ein Überleben nicht mehr möglich, die Menschen zogen weg.

Dieser Bach ist der heutige Hachinger Bach. Dieser Bach verhält sich eigenartig: zum Teil fließt er unterirdisch, versickert immer wieder, ganz nach Zustand des Grundwassers. Ist dieses hoch, drückt es das Wasser nach oben – der Bach wird sichtbar. Die Übrige Zeit fließt der Bach unterirdisch. So ranken sich um den Bach einige Sagen, in denen der Teufel für das Verschwinden des Bachs verantwortlich gemacht wird.

Aber ist diese Geschichte wirklich der Keim der Dracula-Geschichte? Man darf es bezweifeln. Woher sollte Stoker von dieser Sage erfahren haben?
Was außer der an diesen sagenhaften Ort erinnernden Pachemstraße in Berg am Laim bleibt ist ein Fragezeichen – und natürlich der Schauer, der einen befällt, wenn man sich diese Geschichte zu Gemüte führt. Denn sie zeigt: München ist nicht nur strahlend schön, sondern kann auch ganz schön düster sein …

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AutorIn des Beitrags

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