Der teuflische Kaufmann Balthasar

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Der teuflische Kaufmann Balthasar

Der Pakt mit dem Teufel hat schon viele reich gemacht – doch der Preis für diesen Frevel ist hoch! In dieser unheimliche Geschichte geht es um einen sonderbaren Kaufmann namens Balthasar, der sich auf den Leibhaftigen eingelassen hatte. Diese Sage soll sich Anfang des 17. Jahrhunderts wirklich und wahrhaftig im Herzen Hamburgs zugetragen haben …

Das Geheimnis des roten Haus in der Großen Reichenstraße

In der Großen Reichenstraße lebte einst ein alter Mann namens Balthasar in einem Haus, das sie das „Rote Haus“ nannten. Es ging das Gerücht unter den Nachbarn, dass er sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hätte. Seither hatte sich der Mann nicht mehr blicken lassen. Obwohl er, wie man munkelte, steinreich war, ernährte er sich nur von Wasser und Brot – so geizig wäre er. Das Brot brachte ihm jeden Abend ein Bäckerjunge, der ihn aber auch niemals zu Gesicht bekam. Im Hof seines Hauses stand ein Brunnen. Aus dem schöpfte er wohl im Schutze der Nacht sein Wasser.

Wer hat den Hexenmeister gesehen?

Gegenüber des Hauses war ein Wirtshaus. In dem trafen sich die Leute aus der Gegend jeden Abend. Nicht selten kam das Gespräch auf den alten Mann und ob ihn jemand gesehen hätte. Doch außer einem Schatten am Fenster, den der Schmied aus dem Augenwinkel gesehen zu haben glaubte, und schlurfenden Schritten hinter der Türe, die der Bäckerjunge vernommen hatte, und eine dürre Hand, die ihm durch einen winzigen Spalt der Türe einen Brotkorb reichte, gab es keine Lebenszeichen. Selbst der Wirt, der nun schon bald 25 Jahre seine Taverne innehielt, hatte den Sonderling noch nie gesehen. Kein Wunder, dass man den Alten für einen Hexenmeister hielt!

Ein Fremder mischt sich ein

Eines Abend saß man wieder einmal am Stammtisch und ließ sich über Balthasar aus. Man erzählte, dass er einst ein bedeutender Kaufmann der Stadt gewesen sei und nun nur auf seinen Schätzen hockte, während der Leibhaftige bei ihm ein und aus ging. Eine Schauergeschichte nach der anderen wurde zum besten gegeben. Da löste sich ein Schatten aus dem Eck und ein Fremder kam auf die Runde zu. Er trug ausländische Kleidung, sprach mit einem eigenartigen Akzent und war ansonsten von hagerer Statur und bleicher Gesichtsfarbe. Seine Augen saßen tief in den Höhlen.

Die Augen des Kaufmanns

Mit einer lässigen Handbewegung warf der Fremde einen Beutel auf den Tisch, aus dem augenblicklich Goldstücke kullerten. Dann sprach er: „Der Kaufmann Balthasar, von dem ihr erzählt – wie sieht er wohl aus? Dieser Beutel voll Gold soll demjenigen unter euch gehören, der es wagt, nachzusehen.“ Betretenes Schweigen. Es schien, als ob keiner wirklich den Mut aufbrächte, den teuflischen Kaufmann aufzusuchen. Doch dann schob eine kräftige Hand die Umstehenden zur Seite und der Schmied trat hinzu, streckte seine Hand nach dem Beutel aus und rief: „Ich bin bereit!“ Doch bevor er des Goldes habhaft werden konnte, hatte der Fremde den Beutel wieder in den Fingern. „Nicht so schnell! Als Beweis, dass ihr den Kaufmann wirklich gesehen habt, müsst ihr mir die Farbe seiner Augen verraten. Erst dann gehört euch der Preis.“ Der Schmied, der das Geld wirklich gut brauchen konnte, lachte nur und entgegnete: „Wenn’s weiter nichts ist!“ Dann drehte sich der Hagere mit einer tänzelnden Bewegung um, warf den Beutel dem Wirt zu, damit dieser ihn aufbewahre, und flitzte auf eine merkwürdig hündische Weise durch die Türe in die Nacht hinaus …

Kater, Eule und Windhund

Der alte Balthasar saß wenig später beim Abendessen im roten Haus gegenüber. Doch nicht Wasser und Brot standen auf dem Speiseplan, sondern Köstlichkeiten, von denen andere nur träumen konnten. Es war, als bögen sich die Tische vor Spiels und Trank. Was auch immer sich der Kaufmann wünschte, es wurde ihm aufgetischt – von einer tierischen Dienerschaft, die ihm hörig sein musste. Da war ein grauer Kater, eine Eule – und ein hagerer Windhund mit tief liegenden Augen …

Als ihr Herr über seinem Becher Wein eingeschlafen war, begannen sich die Tiere zu unterhalten. Der Windhund berichtete, wie er wieder einmal als Fremder verkleidet in das benachbarte Wirtshaus gegangen sei, um einen Mutigen zu finden, der sie von ihrer Fron erlöste. Sie waren nämlich vom Hexenmeister verwünscht worden und mussten so lange seine Knechte sein, bis ein mutiger Hamburger sich Balthasar stellte und ihm in die bösen Augen blickte. Doch nur alle sieben Jahre für sieben Tage hatten sie Zeit für ein solches Unterfangen. Alle bisherigen Versuche waren gescheitert. Nun richteten sich ihre bangen Hoffnungen auf den Schmied …

Das Ende des teuflischen Kaufmann

Der Schmied hatte sich in der Zwischenzeit mit dem Bäckerjungen verabredet und diesem das abendliche Brot für Balthasar abgenommen. Er wollte an seiner Statt in das rote Haus gehen und so dem teuflischen Kaufmann begegnen. Gesagt, getan. Als sich die Türe einen Spalt öffnete und eine graue Hand den Brotkorb reichte, packte der Schmied zu – und zerrte Balthasar hinaus. Dieser wehrte sich mit Leibeskräften, versuchte seine Augen zu verbergen, aber es half nichts. Der kräftige Schmied bändigte den Alten, brach ihm dabei fast die Knochen, packte ihn grob beim Schopfe, bog das Haupt zurück, dass der Hals nur so knackte! Da mochte der Alte sich noch so winden, jammern und greinen, fluchen und kreischen – ihre Blicke trafen sich am Ende doch! Erschrocken ließ der Schmied das fast schon leblose Bündel los. Entsetzen packte ihn, denn er hatte in die geifergrünen Augen des abgrundtief Bösen gesehen! Das traf ihn in Mark und Bein. Zugleich schlug der Donner in das rote Haus. Der Erdboden schwankte, die Wände bebten. Dann – Stille!

Das rote Haus ist leer …

Doch unser Schmied wollte dem Ort des Grauens nur noch den Rücken kehren und nahm die Beine in die Hand. Von panischer Angst geschüttelt stürzte er in das Wirtshaus. Nachdem er sich bei einem Krug Bier erholt hatte, erzählte er seinen Kumpanen, was er erlebt hatte. Und als er sich schließlich gefasst hatte, forderte er vom Wirt den Beutel Goldes.

Am nächsten Morgen fand man im roten Haus die Türe sperrangelweit offen. Als man das Haus betrat, war da niemand mehr. Kein Balthasar, keine Reichtümer, nichts. Nur drei Häuflein Asche fand man, die der Zugwind jedoch bald in alle Himmelsrichtungen zerstreute …

 

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