Skip to content

Das Geheimnis des Merkurbrunnen im Tal

Startseite » Stadtgeheimnisse » Mystisches München » Das Geheimnis des Merkurbrunnen im Tal

Klicke auf das Bild für eine Vollbildansicht.

Man könnte ihn glatt übersehen, wenn man sich vom Alten Rathaus das Tal entlang auf den Weg zum Isartor macht: den Merkurbrunnen. Stadtauswärts steht er am Eck zur Hochbrückenstraße umschattet von einer Gruppe dichtbelaubter Platanen. Über einem runden Steinbecken schwebt der Götterbote auf einem Luftstrahl, der aus dem pausbäckigen Gesicht des Windgottes Zephyr aufsteigt.

Der Götterbote

Eine Hand streckt er in den Himmel, während die andere Hand Richtung Erdboden zeigt, dabei seinen Heroldstab halten, den von Schlangen umwundenen Caduceus. Dem kunstkundigen Blick entgeht natürlich nicht, dass diese schwerelose, sich tanzend in die Höhe drehende Gestalt ihr Vorbild in dem berühmten Merkur des Renaissance-Meisters Giovanni da Bologna („Giambologna“) in Florenz findet. Die Idee zu diesem Brunnen hatte der Architekt Friedrich von Thiersch Anfang des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich stand er neben dem Haus für Handel und Gewerbe in den wenig bekannten Eschenanlagen am Maximiliansplatz (etwa dort, wo sich heute ein anderer wenig bekannter Brunnen findet, der Nonnenbrunnen).

Einem nicht ganz unähnlichen Merkur begegnen wir in der Residenz, genauer gesagt im so genannten Grottenhof, den sich Herzog Wilhelm V. im 16. Jahrhundert gestalten ließ. Dort eilt Merkur durch die Lüfte und krönt dabei die künstliche Grotte, nach der dieser besonders zauberhafte Innenhof benannt ist – leider durch den Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen. Auch hier haben wir es mit einem Götterboten zu tun, der mit einer Hand gen Himmel weist, mit der anderen zur Erde. Der Magier im Tarot wird häufig mit der entsprechenden Pose dargestellt.

Wie oben – so unten

Das Geheimnis dieser Geste erklärt sich aus dem Zusammenhang, in dem Merkur hier abgebildet ist. Als Vermittler zwischen Himmel und Erde deutet er so seine Aufgabe als Botschafter des göttlichen Willens an – aber auch als Meister kosmischen Wissens, dass er auf die Erde bringt. In dieser Rolle wird er mit dem legendären Hermes Trismegistos gleich gesetzt, dem „dreimal großen Hermes“ aus Ägypten. Dieser besitzt in den Geheimwissenschaften eine alles überragende Autorität, denn in der ihm zugeschriebenen „Smaragdtafel“ überlieferte er in wenigen Sätzen die Grundlagen aller Weisheit, darunter: „Das, was oben ist, ist wie das, was unten ist. Und das, was unten ist, ist wie das, was oben ist. Damit das Wunder der Vereinigung geschehe.“ Oft verkürzt zu „wie oben – so unten“ ist dieser Spruch das Grundmotiv vieler okkulten Künste wie Astrologie und Alchemie – den hermetischen Künsten.

Wilhelm V. war nachgewiesenermaßen ein großer Freund der hermetischen Wissenschaften, experimentierte selbst mit Alchemie herum. So wundert es nicht, dass er in seinem Grottenhof hermetische Symbolik einfließen ließ, allen voran natürlich den Merkur auf der Grotte. Die Grotte ist nämlich nichts anderes als ein altes alchemistisches Symbol für den Ort, an dem, die große Verwandlung, die Transmutation des Unedlen in das Edle, mit Hilfe des Steins der Weisen gesehen muss. Über all diesen Prozessen wacht Merkur.

Vermittler zwischen den Welten

Zurück zu unserem Merkur im Tal. Auch er ist ein solcher Vermittler der Geheimnisse. Ist es da nicht ein schöner Zufall, dass man ihn unter Platanen gesetzt hat? Die Platane ist in der antiken Mythologie ein Baum, der alle Welten miteinander verbindet: Himmel, Erde und Unterwelt. So wie Merkur selbst, der nicht nur zwischen Himmel und Erde wandelte, sondern auch Zugang zur Unterwelt hatte und als Psychopompos die Seelen der Verstorbenen in den Hades geleitete.

Natürlich ist Merkur auch der Gott der Händler, Kaufleute – und Diebe. Als Gott der geraden wie auch der krummen Wege besitzt er keine ethischen Grundsätze, sondern sorgt lediglich dafür, dass Verbindungswege entstehen, damit Dinge ihren Besitzer wechseln können – wie genau das vonstatten geht ist ihm erst einmal egal. Als diesen Merkur finden wir denn auch im Stadtbild an zahlreichen Stellen wieder, vor allen Dingen an Kaufhäusern und Banken, zum Beispiel am Oberpollinger oder an der Hypobank im Kreuzviertel.

Gott der Wege

Der Merkur auf dem Brunnen in Tal mag vielleicht nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle stehen, doch als Gott der Wege hat er mit seiner Position an der alten Salzhandelsroute keine schlechte Wahl getroffen. Immerhin gehört das Tal zu jener Lebensader des Handels, die sich von Salzburg nach Augsburg quer durch bayerische Lande zog. München wurde schließlich durch den Handel mit dem Salz groß – und verdankt letztlich auch seine Gründung dem Handel, und damit keinem Geringeren als Merkur selbst.

Wenn du den Merkurbrunnen aufsuchst, nimm dir also etwas Zeit, verweile vielleicht einen Augenblick im Schatten der Platanen – möglicherweise offenbart er dir eines der großen Geheimnisse, die er vermittelt. Weil er der Prototyp aller Magier ist, besuchen wir ihn natürlich auch auf unseren Stadtführungen.

Du bist bereits Mitglied? Dann melde dich hier an - und lies weiter:

Stadtspürer-Touren zum Thema

Das könnte dich auch interessieren

Caw Portrait 2012 1200

Christopher Weidner

AutorIn des Beitrags

Kein Geheimnis verpassen!

Mit dem kostenlosen Newsletter-Service der Stadtspürer verpasst du künftig kein Stadtgeheminis mehr. Du erfährst nicht nur Spannendes und Geheimnisvolles aus München, Berlin, Hamburg und Ausgburg, sondern auch aus anderen Städten in Deutschland und anderswo. Ein Füllhorn an Wissen und Inspirationen - frei Haus und jederzeit kündbar!


Ja! Ich will Post aus dem Hause Stadtspürer erhalten - und bin mir bewusst, dass meine Daten zum Zweck des Emailversands gespeichert werden.

Scroll To Top