Das Geheimnis des Spiegelbrunnens

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Das Geheimnis des Spiegelbrunnens

Das ehemalige Gruftviertel

Der Marienhof ist zurzeit der wohl unansehnlichste Ort in der Altstadt. Bis auf weiteres müssen wir damit leben, dass hier eine monströse Baustelle wie eine Wunde im Herzen der Stadt klafft. Dabei war das Gebiet des Marienhofs noch vor dem zweiten Weltkrieg ein blühendes Viertel! Das so genannte Gruftviertel, benannt nach der Gruftkirche, die einst hier stand, ist heute Geschichte. Die Zerstörungen der Häuser, die einst hier standen, wurden nie wieder wett gemacht. Aus der Zeit, als hier noch gelebt, geliebt, gelacht und geweint wurde, sind uns jedoch einige Sagen erhalten geblieben – auch unheimliche.

Das Spiegelbrunneneck

Eine davon erzählt von einem Brunnen, der vor dem Hinteren Schwabinger Tor, später auch bekannt als Wilbrechts, Schäffler- oder Nudelturm, stand. In alten Abbildungen ist er noch zu erkennen. Die archäologischen Ausgrabungen, die in Vorbereitung auf die gegenwärtige Baustelle getroffen wurden, brachten diesen Brunnen wieder zutage. Er befand sich gegenüber dem “Mändler-Eck”, benannt nach dem Modehaus, das sich hier nach dem Krieg niederließ (heute “Mango”). Für das Haus auf der anderen Seite, heute Theatiner- Ecke Schrammerstraße, ist ein älterer Name überliefert: Spiegelbrunneneck. Um diesen Namen rankt sich die folgende Geschichte …

Etwa an der nordwestlichen Ecke des Marienhofes, muss es einst einen Brunnen gegeben haben. Eines Tages fielen alle, die in den Brunnen blickten, auf der Stelle tot um. Niemand konnte sich erklären, was der Grund für dieses plötzliche Sterben sei – und niemand konnte nachsehen ohne sein Leben zu riskieren. Da hatte man den Einfall, einen großen Spiegel über dem Brunnen aufzuhängen. Da erkannte man die Ursache allen Übels: auf dem Grund des Brunnens saß ein Basilisk, der mit seinem Blick alle tötete. Als sich aber das Ungeheuer im Spiegel erblickte, war es selbst um es geschehen – und München von dem bösen Wesen befreit. Seither nannte man das Eck, an dem der Brunnen einst stand, das Spiegelbrunneneck.

Ein Brunnen vor dem Tore

An jeder Hausseite des Eckhauses soll seinerzeit das Abbild eines Basilisken mit einem Spiegel zu sehen gewesen sein. Doch vermutlich ist die ganze Angelegenheit wesentlich nüchterner zu betrachten. Einerseits gab es den Brunnen, andererseits weisen Chroniken eine andere Erklärung für den Spiegel auf: dies war der Name des Besitzers des Hauses, ein Herr Spiegel also. Auch der Name “Eckhaus des Spiegelbrunnenkochs” ist überliefert. Es liegt daher nahe, dass sich hier eins nicht nur ein Brunnen vor dem Tore befand, sondern auch ein Gasthaus, wahrscheinlich passend zur angrenzenden Weinstraße ein Weinausschank.

Auf dem Grundstück Ecke Theater- und Schrammerstraße (die damals noch anders verlief und an die Schäfflersatrße anschloss) wurde bei den archäologischen Ausgrabungen in mehreren Metern Tiefe ein Brunnenschacht aus Holzbohlen gefunden. Dieser datiert auf das Jahr 1260/61. Damals befand er sich außerhalb der ersten Stadtmauerbefestigung, wenige Schritte vom Schwabinger Tor entfernt. So aufwändig wie dieser Brunnen gebaut war, lässt sich daraus schließen, dass er einem Patrizier gehörte oder einem Kloster. Das Eckhaus erwarb im Jahre 1387 der Patrizier Ott Spiegel, seines Zeichens Ratsmitglied und Händler in Salz und Wein. Schließlich wurde der Brunnen aufgegeben und in eine Latrine umgewandelt. Bei den Ausgrabungen auf dem Marienhof erwies sich diese Latrine als eine wahre Fundgrube. Dort wurden allerhand Alltagsgegenstände entsorgt, die sich dort über die Jahrhunderte gut erhalten haben. Zum Beispiel fand man einen Fischkasten, der Fischern diente ihr Fanggut frisch zu halten, und Keramik aus der Zeit der Stadtgründung.

Der Basilisk – der König der Drachen

Der Basilisk ist ein Monstrum mit dem Kopf eines Hahnes und dem Schwanz eines Drachens. Es stellt das schrecklichste Ungeheuer dar, welches die damalige Zeit zu bieten hat. Ausgebrütet von einer Kröte im Sumpf soll er einem dotterlosen Ei oder dem Ei eines alten Hahnes entschlüpfen. In Brunnenschächten und Kellern hausend, wirkt sein stinkender Giftatem zersetzend. Derjenige aber, der es wagt, dem König der Drachen in die Augen zu blicken, versteinert augenblicklich. Als Sinnbild für das reine Böse, den Tod, die Sünde und den Antichristen selbst, steht er für eine der schlimmsten Seuchen der Menschheit – die Pest.

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