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Das Geheimnis der Roseninsel

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Die Roseninsel

Der Starnberger See hat nur eine einzige Insel, die Insel Wörth, heute besser als „die Roseninsel“ bekannt. Wie ein grüner Smaragd liegt diese kleine Insel in der Bucht vor Feldafing am Westufer des Sees, nur etwa 170 Meter vom Ufer entfernt. Eine Magie der Liebe umgibt das nur knapp 2,5 Hektar Stück Land im See, die auch den heutigen Besucher schnell in seinen Bann schlägt. In den Worten des Münchner Dichter Lorenz Westenrieder: “…groß genug wäre die Insel, um darin irgendeinen Kummer zu begraben, auch groß genug, zwei Herzen aufzunehmen, die jetzt in der süßesten und glücklichsten Schwärmerei ihrer Seelen nichts bedürfen als sich selbst und nichts wünschen als Gebüsche, ihr Glück vor den Augen des Neids zu verbergen.”

Wer nicht schwimmen will, der muss sich in die Obhut des Fährmanns begeben, der am Glockensteg den wartenden Besucher in seine Plätte, einem flachen hölzernen Kahn, aufnimmt, um ihn zur Insel überzusetzen.  Sobald wir den Fuß von der Plätte auf dieses verzauberte Eiland gesetzt haben, umfängt uns die vom Duft der Rosen schwere Sommerluft, vielleicht begrüßt uns der Schrei der Pfaue, die zwischen den Büschen ihr Prunkkleid hinter sich herschleppen, und wen würde es wundern, wenn ihm auf einmal zwischen den Büschen Kaiserin Elisabeth und König Ludwig auf den verschlungenen Wegen spazierend entgegenkommen würden?

Ein altes Inselheiligtum

Dieser Ort ist ein magischer Ort schon lange bevor König Maximilian II. von Bayern ihn zu einer Sommerresidenz umgestalten ließ und sie 1850 zur Roseninsel machte. Schon viele Hundert Jahre zuvor besuchten Menschen die Insel und lebten auf ihr. Früheste Siedlungsspuren führen uns fast 4000 Jahre zurück in die Jungsteinzeit. Funde wie ein besonders schön gearbeiteter Steindolch oder eine kultische Scheibe mit Sonnensymbolen aus Hirschgeweih können heute in der Prähistorischen Staatssammlung in München betrachtet werden. Generationen um Generationen blieb die Insel bewohnt: von der Bronzezeit über die Zeit der Kelten bis in die Römerzeit hinein. Wie viele Sippen mochten sich hier im Laufe der Zeit niedergelassen haben und den Schutz der Insel genutzt haben, um von dort aus ihren Jagden auf dem Festland nachzugehen und natürlich um Fischfang zu betreiben?

Eine Orakelstätte

Aber nicht nur das diesseitige Leben fand seinen Platz auf der Insel, sondern auch das jenseitige. Neben einer Gräberstätte haben die Menschen der Frühzeit auch eine heilige Kultstätte angelegt. Noch die Römer sollen dieser Tradition gefolgt sein und einen dem Äskulap, dem Gott der Heilkunst, geweihten Tempel auf der Insel errichtet haben. Es ist gut vorstellbar, wie Menschen hier bei den Priestern des Äskulap Rat bei Erkrankungen suchten, indem sie sich ihre Träume deuten ließen. Es liegt nahe, dass die Römer einen solchen Tempel auf bereits bestehende Heiligtümer errichtet haben werden, in diesem Falle der Kelten. Schon zu ihrer Zeit muss diese Insel eine heilige Insel gewesen sein.

Die frühesten Funde datieren bis in die frühe Bronzezeit hinein, also rund viertausend Jahre vor unserer Zeit. Sicher war die geschützte Lage im See eines der Hauptkriterien für die Wahl dieser Insel für die Gründung eines Siedlung, aber auch der symbolische Wert der Lage im See darf nicht unterschätzt werden, galten Inseln doch seit jeher als besondere Stätten.

Die Insel der Seligen

Wenn wir die Roseninsel betreten, sollten wir uns bewusst machen, dass wir einen heiligen Ort betreten. Inseln waren schon immer von besonderem kultischen Status, vor allen Dingen als Insel der Toten. In der grieschischen Mythologie begegnet uns die elysischen Gefilde, eine Insel umspült vom Ozean, auf der jene Helden entrückt werden, die von den Göttern geliebt wurden. Diese „Insel der Seligen“ wird beschrieben als ein Paradies immer währenden Frühlings: Musik erfüllt die Luft, auf Rosenwiesen laben sich die Seelen an Nektarquellen, die alles Leid vergessen machen. Die Kelten berichten uns von der im Nebel verborgenen Insel Avalon, auf  die sich der mythische König Artus zurückgezogen haben soll, oder von der geheimnisvollen Insel der Jugend, Tir Nan Og, auf der Alter, Tod und Krankheit unbekannt sind.

Die Sage erzählt von „drei verwunschenen Fräulein“, die vor langer Zeit die Insel Wörth bewohnten. Sie sollen auf der Insel erlöst worden sein und auch dort ach begraben liegen. Doch bis zum heutigen Tag liegt der genaue Ort ihrer Grabstätten im Dunkeln.

Das Heidenkirchlein

Bevor der König die Wörth zu seiner Roseninsel machte, lebten dort über Generationen hinweg die Insel-Fischer. Neben dem Fischfang bewirtschafteten sie das Eiland, ernteten Getreide, hielten Kühe und Federvieh und pflanzten Obstbäume. Anfang des 19. Jahrhunderts erhielten die Fischer sogar eine Gastwirtschaftskonzession für ihr Fischerhaus und in kurzer Zeit wurde die Insel zu einem beliebten Ausflugsziel.

Ein romantischer Anziehungspunkt war auch die Ruine einer alten Kirche, die nahe am Nordufer stand. Von ihr schien schon damals eine mystische Kraft auszugehen, wie wir zeitgenössischen Berichten entnehmen können. Es wurde vermutet, dass sie und ihre möglichen Vorgängerbauten auf einer alten heidnischen Kultstätte errichtet wurden. Deswegen wurde sie im Volksmund auch einfach das „Heidenkirchlein“ genannt wurde. Möglicherweise war sie eine der ersten Steinkirchen im nördlichen Voralpenland. Von ihrer Bauweise her zeigte sie große Ähnlichkeiten mit den frühchristlichen Steinkirchen Irlands. Dies weist darauf hin, dass sie wohl im Zuge der Mission der irischen Wandermönche im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Diese bevorzugten heidnische Stätten für den Bau ihrer Kirchen.

Ein heiliger Ort auch in christlichen Zeiten

Über zwei Brücken, die von der Feldafinger Bucht auf die Insel führten, gelangten die Bewohner des Festlandes zur Kirche, in deren Nähe sich auch ein Inselfriedhof befand. So setzte sich die lange Tradition der Insel als heiliger Ort bis in die christliche Zeit fort. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Brücken zerstört und die Insel verwüstet. Von der Kirche blieb nichts als eine Ruine.

Wo ist diese Ruine heute? Sie wurde 1863 abgebrochen und ihre Steine bei der Errichtung neuer Gebäude verwendet. Die Ostwand der Kirche wurde als Westwand des jetzigen Gärtnerhauses integriert und ist noch heute gut erkennbar. Demzufolge entspricht der Platz unmittelbar vor dieser Wand dem alten Altarraum der Kirche und damit dem mystischen Mittelpunkt der Kultstätte. Die Gebeine des Inselfriedhofs wurden an der Feldafinger Pfarrkirche beigesetzt.

Königliche Träume

Der fromme Naturfreund Maximilian II. kaufte die Insel im Jahre 1850 der hiesigen Fischerfamilie ab, um dort einen Garten voller Rosen zu errichten, den er als Vorposten seines ehrgeizigen Projektes eines Schlosses in Feldafing auserkoren hatte. Aus dem Schloss wurde nichts, aber die Gestaltung der Insel Wörth zur Roseninsel war ein voller Erfolg. Er ließ eine Villa im oberitalienischen Landhausstil und mit Anklängen an bayerische Gebirsghäuser errichten, das Casino. Von dessen Turmzimmer aus kann man einen atemberaubenden Blick über den See bis hin zu den Alpen in der Ferne genießen. Sein Landschaftsgärtner war kein geringerer als der berühmte Peter Joseph Lenné. Dieser schuf bereits den Rosengarten im Potsdamer Charlottenhof, der das klare Vorbild für die Anlage der Roseninsel wurde. Er legte ein Oval mit zweitausend Rosensorten an, deren Vielfalt an Farben und Düften die Sonne betörten – und der Insel endgültig ihren Namen verlieh: die „Roseninsel“.

Doch der eigenwilligste und bedeutendste Gast auf der Roseninsel war wohl sein Sohn Ludwig. Den bayrischen Märchenkönig lockte die romantische Idylle immer wieder. Sicherlich war Ludwig II., jener sensible und wenig an den Wirklichkeiten der Welt interessierte König, einer, der die geheimnisvolle Kraft dieser Roseninsel zu schätzen wusste. So wurde die Insel unter Ludwig II. bald zum geheimen Treffpunkt für ihn und seine von ihm verehrte Cousine, die Kaiserin Elisabeth.

Geheimer Treffpunkt für Seelenverwandte

Es steht fest, dass Elisabeth und Ludwig ein besonderes Band der Liebe zusammen hielt, das wohl eher auf einer tiefen Seelenverwandtschaft beruhte als auf erotischer Leidenschaft. Der König und die Kaiserin fühlten sich auf eine besonders innige Weise einander zugehörig, die jedenfalls zu allerlei Gerüchten Anlass gab. Dazu trug sicherlich auch der geheimnisvolle Treffpunkt auf der Roseninsel bei.

Nur Auserwählte lud Ludwig auf seine Roseninsel ein wie seinen abgöttisch verehrten Freund Richard Wagner, die Kaiserin Maria Alexandrowna von Russland und Wilhelm IV. König von Preußen.  Doch je mehr sich Ludwig den Staatsgeschäften entzog, umso weniger wollte er dieses verzauberte Eiland mit anderen teilen. Wenn er mit seinem Raddampfer „Tristan“ von Berg aus einen Abstecher auf die Roseninsel machte, suchte er dort die Einsamkeit frei von höfischem Protokoll. Hier gab er sich ganz seiner Phantasie hin. Nur seine geliebte Cousine Elisabeth war ein gern gesehener Gast.

Von der Taube an den Adler

Elisabeth, den meisten als „Sisi“ bekannt, weilte mehrere Wochen im Jahr in Possenhofen, ihrem Heimatort. Von dort aus ließ sie sich so oft es ging auf die Roseninsel übersetzen, ihrem auserkorenen Lieblingsplatz. Wenn der König selbst nicht anwesend war, schrieb sie ihm Briefe und Gedichte, die sie in einem Geheimfach des Schreibsekretärs versteckte – „von der Taube an den Adler“.

Den Adler vom Felsenhorste

Dort oben in schwindelnder Höh’

Den jagenden Wolken so nahe,

Dem sonnenschimmernden Schnee,

Sie haben ihn eingefangen,

Die stolzen Schwingen gelähmt,

In ewige Fesseln geschlagen,

Bis dass der Tod sich einst grämt.

Geheimnisvoll rauschen die Wellen

Und flüstern es schauernd der Nacht:

‘In unserem Schloss hat sich eben

Der Königsaar umgebracht’.

Klagend umkreist die Möwe

Den Spiegel des lieblichen Sees

Zur Zeit der blühenden Rosen,

Zur Zeit des bitteren Wehs!’

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Christopher Weidner

AutorIn des Beitrags

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