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Das Geheimnis der Hundskugl

Das Geheimnis der Hundskugl

Hexenorte, Tarot-Orte

Das Hackenviertel ist das Viertel in der Münchner Altstadt, in dem heute etwas vom altmünchnerischen Flair zu spüren ist. Abseits von der Hektik der Shoppingmeilen finden sich hier Geschäfte der besonderen Art, wie zum Beispiel “Surya’s Hexenladen”, in dem magische Utensilien und allerlei Zauberzeug feil geboten wird. Damit ist unser Stichwort auch schon gefallen, denn das Hackenviertel ist so etwas wie das Hexenviertel der alten Stadt, wie beispielsweise die tragische Geschichte der Katharina Schwerzin berichtet. Selbst der Name dieses Viertels ist ein Fingerzeig, leitet er sich doch von einem Hag ab, einem umfriedeten Stück Land, das sich wohl einst in diesem Areal befand. Unser heutiges Wort “Hexe” stammt von dem altdeutschen Wort “hagazussa” ab, und verweist auf Wesen, die sich an den Grenzen eines solchen Hags aufgehalten haben. Kein Wunder, dass der Ort, welcher der Tarot-Karte unseres München-Orakels am deutlichsten mit Zauberei, Hexerei und Magie zu tun hat, sich hier befindet …

Hundskugl – mehr als nur ein Wirtshaus

Wenn von der Hundekugel die Rede ist, meinen viele Münchner zunächst das gleichnamige (ehemalige) Gasthaus an der Ecke zur Hotterstraße. Dabei trägt dieses Haus diesen merkwürdigen  Namen nach der ursprünglichen Bezeichnung dieses Abschnitts der Hackenstraße. Dieser wiederum wurde so genannt, weil sich in der Gasse im Mittelalter ein sogenanntes „Ehehaftbad“ befand, genauer gesagt auf der Höhe der heutigen Nummer 10. Die Ehehaft hat nichts mit Ehe zu tun, sondern ist der Begriff für ein damaliges Ausübungsrecht, das vom Grundherrn verliehen wurde und für das der Beliehene Gebühren zu entrichten hatte. Der hier mit diesem Recht beliehene Bader war zugleich, wie in diesen Zeiten üblich, auch Arzt.

Jedes Viertel hatte seine öffentliche Badestube und je nach Viertel setzte sich auch das Klientel dieser Etablissements als bestimmten Bevölkerungsschichten zusammen. Der seltsame Hundskugel verweist auf die Leute hin, die dieses Bad bevorzugt besuchten: die „Hundsfotten“. Entsprechend wurde das Bad auch als Hundsfutbad bezeichnet. Was in modernen Ohren eher zotig klingt, war für die Menschen des Mittelalters ein geläufiger Ausdruck für die ganz armen Leute, die „armen Hunde“ sozusagen. Doch was ist mit „Kugel“ gemeint? Ein heute verloren gegangenes Fresko an diesem Haus zeigte Hunde, die sich mit einem Kegelspiel vergnügen, als eine Kugel schieben. Darunter der Spruch:

„Bis diese neun Kegel umscheiben die Hund,
Können wir heilen noch manche Stund.
Hundsfottbad armer Leut.”

Eine Küche für die “armen Hunde”

Doch das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Eine Lesart will wissen, dass es sich dahinter das bayerische Wort für Küche, also „Kuchl“, verbirgt. Demnach wäre es nicht nur eine Badestube gewesen, sondern auch eine Gaststätte, möglicherweise sogar eine solche, in der zum Tode verurteilten „armen Hunden“ das Henkersmahl serviert wurde, nachdem sie vom Bader für die Hinrichtung gewaschen und rasiert wurden. Eine andere Deutung vermutet hinter „Hundekugel“ etwas ganz anderes: ein Zeichen zur Abwehr von bösen Geistern, das sich vielleicht erst an diesem Haus befand. Unter Hundskugeln verstand man nämlich damals auch den Abdruck einer Hundepfote, bei dem tatsächlich Zehen und Fußballen kugelige Muster hinterlassen. „Hundsfut“ wäre dann mit „Hundefuß“ zu übersetzen. Steine mit solchen Abdrücken wurden in mittelalterlichen Ziegeleien verkauft und dann über der Haustüre eingemauert. Viele Beispiel solcher auch „Feierabendziegel“ genannten Amulette sind andernorts noch erhalten.

Heute finden wir über dem Eingang ein Holzrelief, von der Hand des beliebten Bildhauers Roman Anton Boos, der Ende des 18. Jahrhunderts – also lange nach Auflösung des Bades – in diesem Haus lebte. Damals mag die Erinnerung an den eigentlichen Ursprung dieser Bezeichnung längst verschwunden sein. Übrig blieb nur noch das hier dargestellte Bild: Hunde spielen mit eiern Kugel. Und wie immer, wenn Wissen verloren geht, wird es gerne durch Sagen ersetzt. Die Hundekugel erklärt sich demnach so: Einst rollten Hunde eine Kugel durch das Neuhauser Tor (das heutige Karlstor) und treiben sie spielend durch die Gassen der Stadt. Schließlich landeten sie vor dem Haus in der besagten Gasse – und ließen sie dort liegen, während sie selbst nie wieder gesehen wurden.

Eine seltsame Sage

Hinter dieser Sage mag sich lediglich eine volkstümliche Erklärung des eigenartigen Bildes verbergen, doch genauso gut könnte sich hier eine spannende Anspielung auf das Geheimnis der Hundskugel verbergen. Das Neuhauser Tor ist nämlich das westliche Tor der alten befestigten Stadt München, die Hunden kamen also aus der Richtung des Sonnenuntergangs, in der sich auch lange Zeit die Hinrichtungsstätten der Stadt befanden. Als Hunde haben sie Bezug zu solchen Orten, streunten sie doch nicht selten genau dort herum, wo sie unter den Galgen den einen oder anderen Leckerbissen für sich finden konnten. Hunde sind in vielen Kulturen nicht nur deshalb auch Tiere der Unterwelt. In der Antike wird die Pforte zur Unterwelt von dem dreiköpfigen Kerberos bewacht. In der germanischen Mythologie ist die Göttin Hel, der Name Pate für unser heutiges Wort Hölle stand, stets in Begleitung von Hunden zu finden. Auch bei den Kelten sind Hunde, vornehmlich weiße, Sendboten der unteren Welt. Hekate, die antike Göttin der Magie und der Zauberei, wird ebenso mit Hunden abgebildet.

Der Mond im Tarot

Wenden wir uns unserer Tarotkarte zu. Wir sehen in den traditionellen Darstellungen Hunde, die den Mond anheulen, und zwar in einer von zwei Türmen dominierten Landschaft. Diese beiden Türmen bilden so etwas wie ein Portal. Sind dies die Hunde unserer Sage, die die Kugel des Mondes durch das Tor treiben? Symbolisch gesehen gibt es hier eine interessante Parallele. Interessant auch, dass ausgerechnet an den schmiedeeisernen Balkonen links und rechts vom „Karlstor“ wieder Hunde zu entdecken sind …

Es bleibt rätselhaft rund um die Hundskugel. Doch in jeder Facette, die wir in diesem eigenartigen Münchner Hauszeichen entdecken, spiegelt sich eine Beziehung zu der düsteren, faszinierenden Karte Mond des Tarot, die mit der dunkeln Nacht der Seele, Unterweltsfahrten, der Schwelle zwischen Leben und Tod und der Macht der Magie, wie sie vom Licht des Mondes begünstigt wird, in Zusammenhang gebracht wird.

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